Kaiserstraßen-Pop-up-Stores

Stadtleben // Artikel vom 16.12.2018

Bücherbüffet

Sie bespielen leerstehende Ladenflächen und geben eine leise Ahnung davon, wie das Stadtbild ohne die immer gleichen Filialketten aussehen könnte: Pop-up-Stores.

Ende November haben die alteingesessenen Karlsruher Unternehmen Hut Nagel und Papier Fischer gemeinsam mit Unikat und dem Pforzheimer Designmöbelhaus-Neuzugang Wohnfabrik (Erbprinzenstr. 26) einen solchen temporären Verkaufsraum (Kaiserstr. 84, Do/Fr/Sa 10-19 Uhr) eröffnet. 1868 führte Annette Wahls Ururgroßvater hier seinen ersten Laden; nachdem die Geschäftsführerin von Hut Nagel von heute auf morgen ohne Mieter dastand, entwickelte sie mit Gabriele Calmbach-Hatz von Papier Fischer die Idee eines Pop-up-Stores. Der Begriff hätte dem einstigen Hoflieferanten sicher nichts gesagt, hochwertige Produkte und kundennahe Beratung aber durchaus. Und darauf setzt der Händlerverbund auf Zeit – und aufs Einkaufserlebnis.

Die nach fünf Jahren im Passagehof mit ihrem europäische Modemarken vertreibenden Unikat Store am 1.12. in zentralste Citylage (Kaiserstr. 145) umgezogenen Preißler-Brüder Andreas und Michael supporten junge Kreative und präsentieren in Mietkisten Korkfliegen von Hannah Rohde, das ebenfalls aus der Pfalz stammende Duo Alexander Kempe und Nils Marz mit ihrer Bimbesbox, dem handgemachten Geldbeutel aus Naturholz sowie upgecycelten Hand- und Handytaschen aus der Ramoda Nähwerkstatt; dazu gibt’s Reisenthel-Shopper sowie Kissen und Deko-Artikel, während Papier Fischer sich in seinem separaten Vitra-Pop-up-Atelier (Kaiserstr. 128) schwerpunktmäßig dem Eames Plastic Chair widmet.

Bis Weihnachten geöffnet ist auch der vergängliche Bücherladen, in dem Sonia Lauingers Bücherbüffet (Kaiserstr. 58-60, Mi-Sa 12-20 Uhr) regionalen Verlagen, die man teils im Karlsruher Handel vergebens sucht, eine Plattform bietet. Hier wird bei kostenlosem Tee und Kaffee auf Sofas und Liegestühlen geschmökert, es gibt regionale Öle und Weine, Handgemachtes, Workshops und Lesungen wie jene der Lokalautorin Sabine Staub-Kollera, die für Kids ab acht aus „Friederike Schlossmaus und der Raub der Türkenbeute“ (Mi, 19.12., 16.30 Uhr, Eintritt frei) vorträgt.

Und auch der stationäre Handel lebt ganz offensichtlich noch: Bassmann Optik hat Anfang Dezember zusätzlich zum Haupthaus am Marktplatz seine Südliche-Waldstraßen-Filiale in den Ex-Räumen von Skog 42 eröffnet. Inhaberin Birgit Deck „kann nur jedem Einzelhändler raten, Mut zu haben und zu investieren. Die Nachfrage nach authentischen Produkten und Service ist da“. In der Erbprinzenstraße halten derweil zusehends Ketten wie die kalifornisch-mexikanische Cocktailbar Sausalitos gegenüber der Wohnfabrik Einzug. Sehr erfreulich: Tobse Meier resettet in der gastronomisch zusehends unterversorgten Weststadt das Traditionslokal Rote Taube (Kriegsstr. 276). -pat/schi

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