Oberreut Deluxe – Kiosk für eine „Soziale Stadt“

Stadtleben // Artikel vom 07.10.2021

Oberreut Deluxe

„Das Kiosk ist ein Ort der Begegnung“, sagt Max Kosoric, der im Juli in Oberreut mit dem Fortda-Kollektiv an den Wochenenden den temporären marktstandähnlichen Treffpunkt „Oberreut Deluxe“ rund um einen Anhänger geschaffen hat.

Der Karlsruher Stadtteil habe „viele Spannungsfelder, aber kaum Orte der Kommunikation“, beschreibt er die Ausgangslage. Auf Initiative von Ulrike Settelmeyer, die beim städtischen Kulturamt das Projekt „Bunte Stadt“ koordiniert, knüpfte das Kollektiv an den eigenen Erfahrungen mit „Le Kiosk“ an. 2006 war das Kollektiv um Fanny Kranz, Max Kosoric, Antonia Marten, Henrike Plegge und Sanne Pawelzyk bereits mit einem selbstentworfenen Kiosk und künstlerischem Programm im Karlsruher Nymphengarten aktiv. Settelmeyer erinnerte sich an diese und andere künstlerischen Aktionen des Kollektivs, als sie während des Stadtteilentwicklungsprozesses im Rahmen des IQ-Leitprojekts „Soziale Stadt“ darüber nachdachte, mit welchen Ideen und Konzepten der „Problemstadtteil“ belebt werden könne. „Die einzige Vorgabe war, einen Raum für Kommunikation zu schaffen.“ Je niedrigschwelliger das Angebot, umso besser, sagt Settelmeyer. Oberreut sei besser als sein Ruf, sind sich Kosoric und Settelmeyer nach ihren Erfahrungen einig. Entgegen der Vorurteile ist der Stadtteil nicht krimineller als andere Orte in Karlsruhe. Oberreut sei aber „ein Stadtteil mit viel Armut“, sagt Settelmeyer.

Kosoric und dem Fortda-Kollektiv ging es zu Beginn wie vielen KarlsruherInnen. „Wir haben vorher nichts mit Oberreut zu tun gehabt.“ Doch schon beim ersten Besuch wurden den Vieren deutlich, was fehlt: „Wir haben gesehen, dass es sehr wenig Cafés und Treffpunkte gibt. Zur Begegnung existieren nur das Jugendzentrum oder kirchliche Angebote“, sagt Kosoric. Schon schnell nach der Eröffnung von „Oberreut Deluxe“ hätte das künstlerisch-pädagogische Kollektiv gemerkt, dass „es ein Bedürfnis gab, sich in einem neutralen Kontext im Freien zu treffen.“ Ganz unterschiedliche Menschen seien dort im Juli dort zusammengekommen. Das wurde allein schon an den verschiedenen Tagen deutlich: Während samstags eher Familien kamen, waren am Sonntag vor allem Kirchenbesucher und der -chor am Kiosk präsent. „Es kamen Menschen zum Kaffeetrinken, Kinder spielten drumherum auf dem Grünstreifen oder es trafen sich Menschen, die einfach nur Gespräche suchten“, fasst er das vielfältige Treiben zusammen. Über Stiftungsmittel finanzierte kostenlose Getränke und Snacks halfen, soziale Hürden zu überwinden.

Zentrale Element sei zudem die Einladung zum Mitmachen und Gestalten unter dem Motto „Was ist Oberreut für einen selbst“, sagt Kosoric. Fahnen oder T-Shirts wurden gemeinsam künstlerisch gestaltet und sollten „dem Stadtteil ein eigenes Gesicht“ geben. Viele Menschen seien der Einladung zur Begegnung per Postkarten in die Briefkästen gefolgt. Nur eines habe nicht geklappt: „Eigentlich wollten den Anhänger nach dem Projekt an die Menschen aus dem Stadtteil abgeben“, sagt Kosoric. Das Fortda-Kollektiv ist aber entschlossen, den Kiosk als Kommunikationsort langfristig zu etablieren. „Nächstes Jahr soll es weitergehen, die Menschen aus Oberreut wollen das auch.“ Auch Settelmeyer würde das im kommenden Jahr gerne nochmals machen, schränkt aber ein, „dass das natürlich auch eine finanzielle Frage ist“. Für die Stadtentwicklung sei es jedoch zentral, „kulturelle Teilhabe zu schaffen und denen eine Stimme zu geben, die man sonst nicht hört“. Das Kiosk „Oberreut Deluxe“ habe viel dazu beigetragen, um zu konstatieren: „Wer sich des Lebens freut, zieht nach Oberreut.“ -fk

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