Plädoyer für den Erhalt des stadtbildprägenden Hochhauses am Ettlinger Tor

Stadtleben // Artikel vom 21.11.2018

Badenwerk Hochhaus

Das von 1961 bis 66 vom Karlsruher Büro Möckel & Schmidt unter Mitwirkung des Kölner Architekten Theodor Kelter errichtete frühere Verwaltungsgebäude der Badenwerk AG und heutige Landratsamt am Ettlinger Tor ist von stadtbildprägender Bedeutung für die Karlsruher Innenstadt.

Das Hochhaus mit seinen städtebaulich geschickt platzierten niedrigen Begleitbauten ist bereits seit mehr als fünf Jahren als Kulturdenkmal nach § 2 DSchG eingestuft. Nun wird in der Presse sein Abriss kontrovers diskutiert. Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild fordert eine klare Position der Stadt zum Erhalt des unter Denkmalschutz stehenden Hochhauses.
Erst wurde gemeldet, es solle erhalten bleiben („Landkreis-Hochhaus in Karlsruhe vor der Totalsanierung“, in: BNN 8.11.2018); einen Tag später wird sein Abriss ins Gespräch gebracht („Verwaltungsgebäude des Landratsamtes sollen abgerissen werden“, in: BNN 9.11.2018).

Der differenzierte, auch in seiner Materialverwendung von Glas und Stahl, Fliesen, Naturstein und Betonwaben qualitätvolle Baukomplex in der Tradition Mies van der Rohes verdient nach einhelliger Meinung von Fachleuten auch überregionale Beachtung. Auch ist das Gebäude ein stadtbildprägender Bau von besonderer Qualität, wie sich die Experten einig sind. „Es ist eben nicht ‚nur‘ ein Hochhaus am Stadtrand, wie es sie auch in Karlsruhe andernorts gibt. Das heutige Landratsamt besticht durch eine ungemeine Klarheit, und markiert rein historisch gesehen einen baulichen Meilenstein, der ja auch eng mit der Bundesgartenschau 1967 verknüpft ist“, betont Peter Liptau, Fachbeirat der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild. Der Experte für Nachkriegsarchitektur und Redakteur der Zeitschrift „Moderne Regional“ sieht die Gefahr, dass „hier ein Kulturdenkmal von solch stadtbildprägende Funktion einfach aufgegeben wird. Die Stadt Karlsruhe scheint hier wieder einmal die Architektur ihrer Nachkriegsgeschichte gedankenlos zu entsorgen“.

Mit seinen klaren Formen des „international Style“ war das Hochhaus am Ettlinger Tor auch seinerzeit bereits überdurchschnittlich für Verwaltungsbauten. Hier legte man also besonderen Wert auf eine „landmark“, um, wie auch mit der Bundesgartenschau, den Wiederaufbau der Stadt im Großen und Ganzen abzuschließen. Wichtig zu diesen klaren Formen ist der Außenbereich: Die Außenanlagen, vor allem jetzt nach so vielen Jahren mit ihrem großen Baubestand, unterstreichen die eigentlich zurückhaltende Architektur. Organisches steht hier hochgeometrischen Formen entgegen. Bereits das Abholzen der Bäume entlang der Kriegstrasse hat das Gefüge ja schon empfindlich gestört. Die Landesdenkmalpflege hatte klar die Erhaltung des Kulturdenkmals gefordert. Es wurde über seine Denkmaleigenschaft sogar ausführlich im Nachrichtenblatt berichtet. Da das Landratsamt einen Austausch der Fassade für unabdingbar ansieht, hat sich das Landesdenkmalamt allerdings wenig nachvollziehbar darauf zurückgezogen, den Bau wegen eines zu starken Eingriffs „aus dem Denkmalschutz zu entlassen“, wie das jetzt offenbar heißt. Beim LVA-Hochhaus am Weinbrennerplatz und beim Bundesverfassungsgericht wurden mit der Denkmalpflege noch die gesamten Fassaden ausgewechselt. In diesem Fall wird jetzt nicht eine neue Fassade im alten Erscheinungsbild angestrebt, sondern im Kontrast dazu wieder einmal mit dem Argument „Denkmalschutz ist Substanzschutz, nicht Bildschutz“ argumentiert, um dem Eigentümer allen Spielraum für seine Wünsche offen zu lassen.

Zur aktuellen Planung, wie sie in den BNN vom 9.11.2018 dargelegt wurde: Das frühere Badenwerk- und heutige Landratsamtshochhaus muss offenbar mitsamt den zugehörigen Flachbauten weichen für einen Neubau mit größerer Kubatur. Der Trakt entlang der Kriegsstraße soll viel höher, entlang der Badenwerkstrasse ein Investorenriegel mit Wohnungen gebaut werden. Zugunsten von Nachverdichtung wird die in den 60er Jahren im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau stolz propagierte und realisierte Grünverbindung vom Festplatz–Schlossplatz entlang der Lammstraße geopfert. Das Hochhaus soll zudem näher an die Kriegsstraße geschoben und baulich mit dem Kriegsstraßen-Trakt verschnitten werden, wobei offenbar unberücksichtigt bleibt, was das von der Karl-Friedrichstraße aus gesehen für das Stadtbild bedeutet.

„Der Neubau zerstört sowohl die Stadtlandschaft in Hinsicht Durchwegung und Grünflächen, als auch das gesamte Stadtbild des Areals“, so Liptau. Der breitere Hochhauskörper lässt das Gebäude plump wirken, und die Zusammenlegung der Bauriegel verschließt das Areal vollkommen gegen die Innenstadt, ganz im Gegensatz zu aktuellen Bau. Vor allem entsteht entlang der Kriegstrasse (und das noch näher an dieser) eine massive Mauer. Skurilerweise sollte ja durch die Untertunnelung derselben eine „grüne Oase“ geschaffen werden. Diese wäre, verbunden mit den aktuellen Grünflächen und quasi diagonal verschoben mit dem Nymphengarten mit altem Baumbestand eine gut in den Stadtraum fließende Grünfläche. „Jetzt würde das Ganze zugemauert und würde provinziell und eng wirken, wie man schon jetzt am Modell erkennen kann“, so der Bauhistoriker. -ps

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