Reallabor Nördliche Karlstraße

Stadtleben // Artikel vom 03.08.2022

Reallabor Nördliche Karlstraße

In der Innenstadt ist „Platz für mehr“.

In den kommenden Wochen sollen mehr Grün, mehr öffentliches Leben und mehr gesunde Mobilität das Stadtzentrum prägen. Zumindest an zwei Orten und für knapp drei Monate wird in Reallabors im öffentlichen Raum die Verteilungsfrage gestellt. „Mit dem Instrument der Reallabore wollen wir aufzeigen, wie die Neuverteilung des öffentlichen Raums gelingen kann“, sagt OB Frank Mentrup. Nachdem bereits Ende Mai mit dem Reallabor Passagehof versucht wurde, Kultur „als elementaren Bestandteil in die Innenstadtentwicklung zu integrieren“, bildet die nördliche Karlstraße seit Mitte Juli die zweite Station, um öffentlichen Raum anders zu gestalten.

Dazu soll die Dominanz des Autos temporär eingedämmt werden. Der Autoverkehr sorge „für eine deutliche Trennlinie zwischen den Fußgängerzonen in der Kaiserstraße und auf dem Ludwigsplatz einerseits sowie dem Stephanplatz und der Postgalerie auf der anderen Seite“, heißt es von der Stadtverwaltung. Bis zum 31.10 sollen stattdessen der Fuß- und Radverkehr mehr Platz finden. Dazu wird nicht nur der Autoverkehr in der Amalien- und der Stephanienstraße gesperrt, sondern auch die Karlstraße in beiden Richtungen für den Radverkehr geöffnet.

Doch in der nördlichen Karlstraße entsteht durch den Wegfall der Parkplätze noch mehr Raum. Projektleiterin Oriana Kraemer vom Stadtplanungsamt und ihr Team haben dafür schon Ideen entwickelt, die an den jährlichen „Parking Day“ erinnern, bei dem Initiativen Parkplätze beleben: „Wir stellen Sitzmöbel und Pflanztröge auf, ab Spätsommer kommen interaktive Medienkunstwerke im Rahmen der Unesco City of Media Arts hinzu.“

Doch Kraemer will darüber hinaus Gewerbetreibende, Gastronomie, Nachbarschaft und Kulturschaffenden zu eigenen Beiträgen und Gestaltungen gewinnen. „Alle sind eingeladen, sich zu beteiligen, die Möglichkeiten reichen von Konzerten über Lesungen, Flohmärkte und Spielangebote bis hin zum Urban Gardening.“ Die Kinder- und Jugendbibliothek beteiligt sich mit einer Lese- und Spielinsel vor dem Prinz-Max-Palais am Reallabor. Von Dienstag bis Freitag erwartet sie nachmittäglich zwischen 13 und 18 Uhr mit Jugendbüchern, Brettspielen, Liegestühlen und Biertischen nicht nur junge LeserInnen. Immer mittwochs ab 16 Uhr wird Kindern zwischen drei und fünf Jahren zusätzlich vorgelesen. Dienstags, mittwochs (jeweils 19.30 Uhr) und sonntags ab 15 Uhr wird die Scruffys-Terrasse mit irischem Folk zur Livemusikbühne.

Der Aktionszeitraum des Reallabors fällt auch auf den 23. Geburtstag des Scruffys, der vom 23. bis 25.9. u.a. mit Livemusik der Krusty Moors und Jamie Clarkes Perfect gefeiert wird. In einer Performance mit einem selbstgebauten Kompostbike will die Gruppe Urbane Gärten Karlsruhe ein städtisches Transportnetzwerk fördern und dazu noch die eingesammelten organischen Abfälle für ihre Gärten nutzen. Ein genauer Termin steht noch nicht. Ohnehin geht Kraemer noch von weit mehr Veranstaltungen aus. „Das Programm wächst organisch, so war es schon beim Passagehof.“

Initiativen, die eigene Veranstaltungen oder Ideen in der nördlichen Kaiserstraße umsetzen, werden von der Stadtverwaltung mit einer Veranstaltungspauschale von bis zu 500 Euro pro Aktion unterstützt. Inwiefern die Ideen auch Grundlage weiterer Planungen für eine lebendige Innenstadt werden, soll auch durch die wissenschaftliche Begleitung der Hochschule Karlsruhe evaluiert werden. Es wäre der Stadt und vor allem den Menschen zu wünschen, dass der Mut der Stadtverwaltung zu einer vielfältigeren Gestaltung der Innenstadt anhält und über die zwei begrenzten Plätze und Zeiträume hinaus wirkt. -fk

bis 31.10., Nördliche Karlstraße, Karlsruhe
www.karlsruhe.de/platzfuermehr

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