Rom steht im Zentrum

Stadtleben // Artikel vom 03.04.2008

Weiche Ockertöne, gleißende Sonnenstrahlen, jede Menge Fresken, Kirchen, Brunnen und rund um die Uhr Espresso an der Bar.

Wer Rom je besuchte, wird die Stadt so schnell nicht mehr vergessen. Natürlich bietet die "ewige Stadt" auch kulturell jede Menge Abwechslung. Vom 4. bis 26. April weht auch in Karlsruhe ein Hauch südlicher Lebenslust, denn die diesjährigen "Europäischen Kulturtage" sind der Kulturmetropole Rom gewidmet.

Bereits zum 19. Mal findet das spartenübergreifende Kulturfestival statt. Das Programmheft wurde im Laufe der Jahre immer dicker; inzwischen ist es mit einem viersprachigen Vorwort versehen – die Fächerstadt setzt auf Internationalität. Nach Istanbul und Moskau steht heuer also Rom im Mittelpunkt. Zahlreiche Begegnungen mit italienischen Gastkünstlern oder Gastspielen sollen für regen Austausch sorgen.

Musikalisch reicht die Palette von italienischer Barockmusik bis hin zum aktuellen Jazz von Enrico Pieranunzi. Besonders gut haben es junge Autoren, die eines der begehrten Literaturstipendien der Villa Massimo ergattern. Jüngst durfte auch Julia Franck ein Jahr in Rom verbringen, wo große Teile ihres soeben mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Romans "Die Mittagsfrau" entstanden. Im vergangen Jahr fiel die Wahl auf den Lyriker Ulf Stolterfoht, der im Literaturmuseum im Prinz Max Palais (8.4., 20 Uhr) Texte vorstellen wird, die er während seines Rom-Aufenthaltes schrieb.

Sein Kollege Feridun Zaimoglu berichtet am 17.4. um 20 Uhr am selben Ort über "Mein Jahr in der ewigen Stadt". Vorträge und ein groß angelegtes Symposium (18.-20.4.) erweitern den literarischen Blickwinkel um eine wissenschaftliche Komponente. Die Themen sind vielfältig: Es geht um "Evangelisch in Rom", um die Kontroverse zwischen Kulturkonservierung und moderner Urbanität, aber auch um so brisante Themen wie Mafia oder das Recht und seine Auslegung. Doch neben dem geistigen Futter kommen auch die Sinne nicht zu kurz.

Eine Modeschau bei Schöpf präsentiert italienische Modeträume, während ein visueller Spaziergang bei Prosecco und Tramezzini stattfindet. Und was wäre Rom ohne Pasolini? Die Kinemathek widmet dem "Freibeuter des Kinos" eine ganze Filmwoche (11.-27.4.). Zu sehen sind neben seinen Spielfilmen auch dokumentarische Arbeiten.

Anders als Fellini beschrieb der seit 1950 in Rom lebende Pasolini bis zu seinem Tod 1975 in seinen Filmen immer wieder das Rom der Unterdrückten und Armen. Auch in der bildenden Kunst setzten Italiener in den 1950er Jahren Meilensteine. So lehnten beispielsweise Alberto Burri oder Lucio Fontana traditionelle Malmittel ab. Sie durchlöcherten ihre Leinwände und verwandelten sie in Materialtafeln.

Robert Rauschenberg, der damals in Rom lebte, nahm diese Impulse auf und brachte sie nach Amerika. Unter dem Titel "Rom – Offene Malerei" zeigt das MNK/ZKM, wie das Materialbild in Italien entstand und welche Auswirkungen die Loslösung von der Leinwand weltweit hatte. Die Vernissage ist gleichzeitig die Festivaleröffnung – am 4.4. um 18 Uhr im ZKM Foyer. Zeitgenössische Positionen aus Rom sind übrigens ab 17.4., 19 Uhr im Badischen Kunstverein zu sehen.
Wie bei allen europäischen Kulturtagen finden viele hochkarätige Programmpunkte als Gastspiele im oder mit dem Badischen Staatstheater statt.

Ein kurzer Ausblick: Am 15. und 16.4. zeigt das Schauspielhaus die großartige Inszenierung "Experimentum Mundi" (16 Handwerker, vier Frauenstimmen) von Giorgio Battistelli, am 18. und 19.4. ist die Südstadt Schauplatz des spannenden Stadt­inszenierungsprojektes "Die unsichtbaren Städte", am 19. und 22.4. zeigt das Ballett drei Uraufführungen und am 24.4. kommt im Schauspielhaus "Aldo Moro, eine italienische Tragödie" zur Aufführung. -ub
Das komplette Programm liegt als Broschüre in der Stadt aus oder ist im Internet abrufbar.

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