Schlosslichtspiele 2023

Stadtleben // Artikel vom 16.08.2023

Schlosslichtspiele Karlsruhe 2022, Maxin10sity – „Generations“ (Foto: Artis – Uli Deck)

Anlässlich des 300. „Stadtgeburtstags“ hat Medienkünstler und -theoretiker Peter Weibel 2015 erstmals die Karlsruher Schlossfassade in einen Open Space für die Medienkünste verwandelt.

Und bis kurz vor seinem Tod im März noch an der neunten Edition gearbeitet, in der er unterm Titel „Hoffnungshorizonte. Dawn Of Devices“ die „Schlosslichtspiele“ mit seinem Forschungsinteresse an der Frage zu den Gemeinsamkeiten von Kunst und Wissenschaft und seinem aktuell im ZKM laufenden Ausstellungsprojekt „Renaissance 3.0“ vernetzt. Mindestens sechs neue Shows sind allabendlich beim „Light Festival Karlsruhe“ auf dem Schloss zu sehen: Aufgenommen 2013 mit seinem Hotel Morphila Orchester bei einem Auftritt im österreichischen Krems setzte Weibel in seinem Lied „Wir sind Daten“ den Whistleblowern Bradley Manning und Edward Snowden ein musikalisches Denkmal. Im Gedenken an Weibel selbst hat Nikolaus Völzow das Musikvideo für die Großprojektion adaptiert, in dem der Gesang des am 1.3. im Alter von 78 Jahren gestorbenen damaligen ZKM-Leiters und langjährigen „Schlosslichtspiele“-Kurators noch einmal zu hören ist.

Unter der Leitung von Weibel hat die Jury des „BBBank-Awards“ im Dezember 2022 die internationalen Gewinnerbeiträge aus 76 weltweiten Einreichungen gekürt. Farbenfroh präsentiert sich dabei der mit 10.000 Euro dotierte Sieger aus Indonesien: The Fox, The Folks eröffnen mit „Bhinneka Express“ in 2D-Zeichentechnik eine außereuropäische Perspektive auf soziale Veränderungen und Zusammenhalt. Als Leitmotiv dient ihnen der Zug, der den rasanten Wandel durch die Globalisierung spürbar werden lässt. Inspiriert ist das Projection Mapping von der indonesischen Maxime „Bhinneka Tunggal Ika“ – „Einheit in Vielfalt“. Die Zweitplatzierten (5.000 Euro) Simone Serlenga und das Overlapping-Studio spielen in einer poetischen Show „AI + GA (Artificial Intelligence + Generative Art)“ mit den Schnittmengen von Naturwissenschaft, Künstlicher Intelligenz und menschlichem Denken. Dabei analysieren sie die zeitgenössische Form von KI und generativer Kunst und philosophieren über die Frage, ob eine Maschine intelligent handeln kann. Die Fenster verflüssigen sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz (AI) und Generativer Kunst (GA), ehe sie zu Wolken verschmelzen und das Schloss in einen farbigen Nebel hüllen. Was hier zu sehen ist, wäre noch vor wenigen Jahren technisch unmachbar gewesen! „For Headlights Crave Hindsight Too“ heißt die mit dem dritten Preis (2.000 Euro) ausgezeichnete Produktion vom Cluster Kollektiv aus Karlsruhe: Hier wird das Schloss durch Sensoren wahrgenommen, in seiner Form und Beschaffenheit pulsartig detektiert und dann zur Projektionsfläche einer atemlosen audiovisuellen autonomen von KI-erzeugtem elektronischem Sound untermalten „Glitch Art“-Tour aus der Perspektive eines selbstfahrenden Fahrzeugs. Ebenfalls den dritten Preis bekam Sínoca: In „Humanity“ träumen die Spanier von Welt, in der Emotionen trotz digitalisierter und vernetzter Gesellschaft mit ihren Informationsfluten und virtuellen Realitäten mehr Raum gegeben wird. Alles entscheidende Frage: Wie können wir neue Technologien nutzen und dabei den Menschen nicht aus dem Blick verlieren?

Eine weitere Show entsteht erst wenige Tage vor der „Schlosslichtspiele“-Premiere, wenn die Elektropioniere Kraftwerk am 12.8. ihr im Frühjahr binnen 24 Stunden ausverkauftes einziges Deutschlandkonzert des Jahres geben. Zustande gekommen ist dieses Date vor 16.000 ZuschauerInnen nicht zuletzt aufgrund der langjährigen künstlerisch-freundschaftlichen Verbundenheit zwischen den „Beatles der elektronischen Tanzmusik“ (New York Times) um Gründer Ralf Hütter sowie dem ZKM und seinem langjährigen Vorstand Weibel; zuletzt traten Kraftwerk zum 25. Jubiläum des Zentrums für Kunst und Medien 2014 in Karlsruhe auf. Und während Kraftwerk auf dem Schlossbalkon in Stellung gehen, projizieren 16 Hochleistungsbeamer die Multimediashow zum Konzert auf die 170 Meter breite Schlossfassade. Im Zusammenspiel von Musik und Performancekunst entsteht ein Gesamtkunstwerk; das Projection Mapping des Gigs ist anschließend als eigenständige Show Teil des Programms. Die Soundkulisse improvisiert aus dem Oeuvre der Band und unterstreicht die Pionierleistung der Düsseldorfer.

Und keine SLS ohne die Publikumslieblinge Maxin10sity aus Ungarn, die mit ihrem neuen „80’s Flash“ einen Bogen zur kulturgeschichtlichen Sonderausstellung „Die 80er – Sie sind wieder da!“ im Badischen Landesmuseum spannen und an das poppig-bunte Jahrzehnt zwischen Walkman, Spielekonsolen, Heimcomputern und Mauerfall erinnern. Außerdem startet die Multimedialiveshow „Sounds Of Life“ (Sa, 2.9., 21 Uhr) mit einem Konzert im Rahmen der „Schlosslichtspiele“ in ihre neue Saison. -pat

16.8.-17.9., Schloss Karlsruhe, Eintritt frei
www.schlosslichtspiele.info

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