Schwein gehabt! 2022

Stadtleben // Artikel vom 21.05.2022

Boucherie Bacul

„Schwein gehabt!“ hatte der Alte Schlachthof lange nicht.

Schon vor Corona aus dem Takt geraten, wird der Kreativpark zum ersten Mal seit 2017 wieder zum Hotspot für Musik, Bildende Kunst, Theater, Film und Party, wenn sich über 100 Kreativbetriebe und Veranstaltungszentren des Geländes bei der fünften Ausgabe der „Kunst- und Kulturnacht“ mit regionalen, nationalen und internationalen Gästen präsentieren. Noch immer ist das Gelände im Wachsen begriffen, sind Baustellen Ausdruck eines sich entwickelnden Kunst- und Kreativgewerbes, das von der Modewerkstatt über Softwareschmieden, Designlabore, Grafikbüros, Kinderbuchillustratoren, Filmemacher und andere Künstler bis hin zur Beratungsstelle in Menschenrechtsfragen reicht. Entsprechend vielseitig ist, was es in dieser Nacht zu erleben gibt-

Zwei Wochen nach der 15. Geburtstagssause wird in der Alten Hackerei nochmals ordentlich nachgefeiert! Mit den Zürcher „Rockschlampen“ Gutter Queens (22 Uhr), massig Make-up, Federboas, Glitzer und einem erfrischenden Mix aus 70er-Glam, 80er-Sleaze und Punkrock. Bereits ab 20 Uhr singen, grölen und tanzen die Gäste mit den Dieselkaraoke-Mädels im Biergarten, bevor um Mitternacht das „Get Hypnoticed“-DJ-Team den Club übernimmt.

Im Substage holt Afrob (20 Uhr) seine „Schwein gehabt!“-Auftritte von 2019 bis ’21 nach und fokussiert sich folglich auf sein Album „Abschied von gestern“, mit dem das „Reimemonster“ alte Hip-Hop-Muster aufgebrochen hat: Keiner der Beats überschreitet die 90 BPM, hält aber gerade noch so Kopfnickergeschwindigkeit. „Neo-Boom-Bap“ heißt das bei Afrob, der sich für den Track „Stein auf Stein“ mit Karlsruhes Haze zusammengetan hat.

Eines der Zugpferde im Tollhaus ist Soul-Funk-Fusionist Bobby Sparks (19.30 Uhr): Der aus der Zusammenarbeit mit Größen wie Snarky Puppy bekannte amerikanische Keyboard-Wizard hat sein frisch releastes Album „Paranoia“ dabei. Zweiter Tollhaus-Act des Abends ist das international gefeierte Berliner Musikerkollektiv Jazzanova, die im Anschluss an ihre Livesession (21.30 Uhr) ein DJ-Set (23 Uhr) nachlegen.

Unterm Motto „Pizza, Disco & Amore“ gibt’s in der Fettschmelze neben heißer Kost und kühlen Drinks an zwei Bars ein Open-Air-Festival im Hof mit Livemusik, DJs und genug Platz zum Abhängen und Dancen. Das gilt erst recht für „Kunst im Fuxpelz“, wenn DJ Monsieur U. mit House- und Nujazz-Tracks das gesamte vierte OG des K3-Festigungs- und Expansionszentrums inkl. der höchsten Schlachthof-Dachterrasse zur Tanzfläche erklärt. Davor spielt das aus Sopranistin Larissa Wäspy, Melania Kluge (Klavier), Paul Cervenec (Kontrabass) und Sven Reger (Klarinette) bestehende Quartett Jazz-, Pop- und Musicalklassiker (19/20/21 Uhr).

Die KünstlerInnen des Atelierhauses laden zum Kulturspaziergang durch die Fleischmarkthalle, wo Atelierwerke und Ergebnisse aus verschiedenen Stipendiumsprojekten des Landes Ba-Wü aus dem Jahr 2021/22 ausgestellt sind (14-24 Uhr). Im Atelier 2 Süd erklingt experimenteller, klangbewusster kammermusikalischer Jazz der vom ungarischen Pianisten Béla Bartók inspirierten Judith Goldbach (18 Uhr) und ihren Kollegen Claus Kiesselbach (Vibrafon) und Sebastian Böhlen (Gitarre). Das aus Ulrike Tillmann, Simone van gen Hassend, Herbie Erb, Marcel Vangermain und Ondine Dietz bestehende Kollektiv Circus 3000 aus dem Atelier 1 Süd hat internationale Video- und Performancekünstler eingeladen, Visionen und Utopien zum Thema „Neuropa“ zu entwickeln und führen sie ab 21 Uhr bis zum moderierten Mitternachtsschreening im Raumschiff-Kino auf dem Parkplatz vor.  Währenddessen läuft an der Filmboard-„Kurzfilmtheke“ (21 Uhr) ein zweistündiges Programm mit Komödien, Love Storys, Satiren und Trickfilmen.

Das Spuktheater spielt 20-minütige Auszüge seiner übersinnlichen Programme (18.30/19.30/20.30/21.30/22.30 Uhr); der Werkraum steuert drei Stücke bei, u.a. für Zuschauer ab 15 die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Club 8 erarbeitete performative Theaterinszenierung „Bitte keinen Müll liegen lassen“ (20 Uhr, Foto rechts oben) und abgesehen davon ist das Areal voll von Aktionsflächen, auf denen Musik, Straßentheater, Zirzensisches – und der Fleischereimarktstand Boucherie Bacul geboten ist: Die belgische Familie verkauft ihre morbide-verrückten Waren in eine düstere Sideshow-Comedy verpackt an die Passanten. Leuchtender Höhepunkt: die mit Einbruch der Dunkelheit einsetzende Ausstellung der Gewinnerarbeiten des vom Veranstalterverein Ausgeschlachtet als Zusammenschluss der Kreativpark-Nutzer zum wiederholten Mal ausgerichteten „Lichtkunstwettbewerbs“. -pat

Sa, 21.5., 18-3 Uhr, Alter Schlachthof, Karlsruhe

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