Start-up And Away

Stadtleben // Artikel vom 26.05.2016

Zwischen drei und fünf Jahre haben Perfekt-Futuristen im Schlachthof-Kreativgründerzentrum Zeit zur Vollendung.

Es sind aber längst nicht nur Startups der ersten Stunde, die bereits von außerhalb der Schweinemarkthallen-Mauern auf ihre unternehmerischen Anfänge zurückblicken. Wie Daniela Loraing und Florian Götze, deren Strickwaren-Label Pulligon (www.pulligon.de) Anfang April vom Containerdorf in den Unikat Store gezogen ist. Die Gelegenheit, beim neuen Shop-in-Shop-Konzept der Preißler-Brüder (siehe separater Text) dabei zu sein, war einfach zu günstig! Hier haben sie nun umgeben von anderen Karlsruher Kreativen einen eigenen kleinen Untergeschoss-Showroom, um persönlich die Vorzüge der Alpakawohlfühlwolle zu erläutern und Accessoires wie Loops und Mützen zu verkaufen. Die Wunschpullover und -strickjacken werden dagegen erst bei Bestellung gestaltet: am selbsterklärenden Online-Konfigurator, mit dem sich vom Kragen übers Muster bis hin zu den individuellen Maßen aus 25 Millionen Möglichkeiten ein quasi einmaliges Kleidungsstück zusammenklicken lässt. Auf die Geschäftsidee kamen die beiden Industriedesigner während ihrer gemeinsamen Südamerikareise: „Wir haben vor Ort die bolivianische Kleinbauern-Kooperative und die Manufakturen kennengelernt, in denen unsere Pullis und Jacken von den Mamitas zu fairen Konditionen produziert und direkt geliefert werden. Die daraus resultierenden Preisvorteile kommen dann den Strickerinnen wie auch unseren Kunden zugute“, erzählt Florian Götze, der für Pulligon seinen Job als Materialdesigner von KTM-Motorrädern aufgegeben hat.

Ähnlich nachhaltig wirtschaftet Fabian Krüger von Get Lazy (www.get-lazy.com), mit dem sich das Pulligon-Paar bis vor Kurzem einen Seefrachtcontainer geteilt hat: nur so viele der superbequemen Faulenzer-Jogginghosen produzieren wie bestellt wurden. Seine „auf Sinn- statt Gewinnmaximierung“ getrimmte Herangehensweise stellt die gesamte Textilindustrie in Frage und geht noch einen Schritt weiter: Denn die Kundschaft des seit Jahresanfang im Perfekt Futur heimischen gelernten Maschinenbauingenieurs kann nicht nur entscheiden, wie ihre natürlich gefärbte Fairtrade-Kleidung aus Biobaumwolle aussehen soll; sie befindet darüber hinaus, wer sie herstellt. Dafür arbeitet der Berliner mit Firmen zusammen, die sich durch soziales oder ökologisches Engagement auszeichnen. Getreu dem Firmenmotto „Tue dir Gutes und tu Gutes dabei“ gehen zehn Prozent von jeder gekauften „Get Lazy“-Pants an eines der unterstützten Projekte – für dieses Maß an textiler Selbstbestimmung sollte man ein paar Wochen Lieferzeit in Kauf nehmen können!

Elf Teilmärkte umfasst die Kultur- und Kreativwirtschaft per Definition; sie sind für das K3-Büro entscheidend, wenn es um die Vergabe der Perfekt-Futur-Container geht. Dazu zählen neben Mode- auch Software-Designer. Einer von ihnen ist Heiko Haller, dessen Wissensorganisations-Tool iMapping (www.imapping.info) alles andere ist als ein „Apple Maps“-Klon. „Das vorangestellte ‚i’ steht in meinem Fall für Integration“, erklärt Haller. Sein Mac- und Windows-kompatibles Programm vereint die Vorzüge große Informationsmengen fassender Zettelkästen mit der hierarchischen Ordnung von Mind-Maps, der Netzwerkstruktur von Concept-Maps und der einfachen Handhabe gruppierender Pinnwände. So kann sich der Anwender eine beliebig umfangreiche Wissenslandkarte aus verschachtelten und verbundenen Kärtchen anlegen. Entworfen hat der promovierte Psychologe das visuelle Verfahren bereits 2002 im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Freien Universität Berlin und dem Tübinger Institut für Wissensmedien; und selbstverständlich wurde seine Dissertation zum Thema ebenfalls via iMapping strukturiert. Den am Karlsruher Forschungszentrum für Informatik entwickelten Prototypen hat Haller dann zur Marktreife gebracht.

Seit 2014 vertreibt er das Tool im Perfekt Futur, zum Testen in einer Gratisversion mit leicht eingeschränktem Funktionsumfang. Die Desktop-Software nutzen Manager und Berater, Wissenschaftler und Forscher, Journalisten und Studenten, um Übersicht zu gewinnen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen oder Projekte zu konzipieren – und vielleicht ja auch angehende Gründer, die ihren Businessplan entwerfen müssen: In absehbarer Zeit frei wird der Container von Pluszweifotografie (www.pluszweifotografie.com). Nach ihrem gemeinsamen Studium an der Freien Fotoschule Stuttgart kamen Lisa Lüdke und Claudia Muñoz eigens nach Karlsruhe, um übers Gründerzentrum Kurse und Workshops anzubieten; zukünftig möchten die beiden Fotografinnen aber wieder mehr selbst kunstvoll am Drücker sein. -pat

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