Tag des Baumes 2020

Stadtleben // Artikel vom 25.04.2020

Tag des Baumes

Seit 1952 wird weltweit am 25.4. der „Tag des Baumes“ gefeiert.

Die traditionelle Baumpflanzaktion der Waldfreunde in Karlsruhe zu diesem Ehrentag der Bäume war bereits Ende März geplant, musste wegen der Corona-Krise aber abgesagt werden. Dabei sollten drei Linden an der Ludwig-Erhard-Allee, Ecke Kapellenstraße gepflanzt werden.

Angesichts des Klimawandels der beiden zurückliegenden Trockenjahre und der Stürme im März mit massiven Baumschäden an Stadt- und Waldbäumen sind die Waldfreunde äußerst besorgt um das städtische Grün. Der aktuelle Waldzustandsbericht verdeutlicht die Dramatik in unseren Wäldern, wo fast alle Baumarten schwere Schäden aufweisen; der zuständige Forstminister von Baden-Württemberg Peter Hauk hat erst jüngst darauf hingewiesen, dass mittlerweile 80 Prozent der Wälder im Land geschädigt sind.

Die Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde fordert daher von Stadt, Land und Bund alles zu tun, um die öffentlichen Bäume und Wälder in Karlsruhe zu erhalten, für abgestorbene Bäume müsse zwingend Ersatz geschaffen werden. Dabei genüge es bei Weitem nicht, wie heute praktiziert, pro gefälltem Baum einen Ersatzbaum zu pflanzen. Denn neugepflanzte Bäume benötigen Jahrzehnte, um ihre vielfältigen Wohlfahrtsfunktionen z.B. für Klima und Feinstaubbindung in vollem Umfang zu erbringen. Für jeden abgestorbenen oder gefällten Baum müssten deutlich mehr Bäume nachgepflanzt werden. „Da Karlsruhe durch die Klimaveränderung besonders betroffen ist, müssen in der Zukunft sämtliche Möglichkeiten für Baumstandorte und klimagerechte Baumarten in allen Stadtteilen sowie im Wald und in landwirtschaftlicher Flur genutzt werden“, so die Arge.

Zusammen mit der Initiative „Unser Karlsruhe – lebenswert – nachhaltig – klimagerecht“ appelliert der Vorstand der Waldfreunde deshalb auch an Privatpersonen und Firmen, auf geeigneten Flächen Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Kies- und Schottergärten seien angesichts des Klimawandels und der extrem heißen Sommer die schlechteste Wahl, um sein häusliches Umfeld zu gestalten, appellieren auch die Gartenfachleute. Sie begrüßen gleichzeitig die vom Gartenbauamt geschaffene Möglichkeit von Baumpatenschaften für Stadtbäume und hoffen, dass sich zahlreiche Paten finden.

Der Vorsitzende der Arge Oberrheinischer Waldfreunde Robert Mürb erwartet von den verantwortlichen Ämtern, Architekten und Ingenieuren sowie Baufirmen aber auch, vorhandene Bäume besser zu pflegen und zu schützen. Ein gesunder Baum brauche ein intaktes Wurzelwerk. Deshalb kritisieren die Waldfreunde massiv Beschädigungen von Wurzeln im Zuge von Bauarbeiten. Nicht nur der Stamm müsse geschützt werden, sondern auch der gesamte Wurzelraum. Befahrung oder Materialablagerungen verdichten den Boden und müssten unbedingt unterbleiben. Die Politik müsse Verstöße gegen den Baumschutz verfolgen und sanktionieren.

Wie jedes Jahr stellen die Waldfreunde als Kreisgruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald den „Baum des Jahres“ vor: In diesem Jahr ist die Robinie (Scheinakazie) ausgewählt worden, worüber die Waldfreunde allerdings nicht glücklich sind. Diese ursprünglich aus Nordamerika stammende Baumart halte zwar Wärme, Hitze und Trockenheit sehr gut aus und sei damit für den Klimawandel gut gerüstet; sie breite sich aber extrem schnell aus und verdränge dadurch andere Baumarten. Eine Pflanzung als Stadtbaum oder im Wald würde deshalb abgelehnt.

Mit großer Sorge beobachten die Waldfreunde ebenso wie die verantwortlichen Fachleute von Forstamt und Gartenbauamt das Wetter in diesen Tagen. Im April – gerade in der Zeit, in der die aufblühende Vegetation großen Wasserbedarf hat – ist bisher noch kein Regen gefallen. Vor allem für die jungen Bäume ist der fehlende Regen bereits jetzt lebensbedrohlich. Kommt ein neuer Hitzesommer wie in den Vorjahren befürchten die Waldfreunde noch weit massivere Baumschäden als bisher mit katastrophalen Folgen für das lokale Stadtklima und die Biodiversität.

Angesichts der Corona-Krise sehen sich die Waldfreunde in ihren Forderungen nach Schutz, Pflege und Erhaltung von Bäumen bestärkt. In solchen Krisen zeige sich ihre Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen. Mürb bittet deshalb um Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit der Waldfreunde und damit auch der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald durch einen Beitritt zum Verein Oberrheinische Waldfreunde. Weitere Infos können per E-Mail an robert.muerb@web.de angefordert werden. -ps/pat

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