Über 2.000 Demonstranten bei „Fridays For Future“

Stadtleben // Artikel vom 26.10.2019

Fridays For Future Karlsruhe

Über 2.000 Menschen forderten bei der gestrigen „Fridays For Future“-Demonstration in Karlsruhe einen ausreichenden Klimaschutz.

Die Demonstration begann um 14 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Schlossplatz mit Reden der Scientists For Future, Peta 2 und Fridays For Future, danach führte sie durch die Oststadt zum Badischen Staatstheater, wo die Abschlusskundgebung stattfand und die Band Trojjar spielte.
Anlass war das als ungenügend empfundene Klimapaket der Bundesregierung: „Mit diesem wird Deutschland wieder einmal selbstgesteckte Ziele verfehlen. Außerdem reicht es nicht aus, um Deutschlands Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen zu erfüllen, trotzdem verkaufte die Bundesregierung es als den großen Wurf, der es nicht ist“, so die Initiatoren. Fridays For Future hat dieses „Täuschungsmanöver“ in einem offenen Brief an die Bundesregierung kritisiert, in dem es heißt: „Angesichts dieser angekündigten Maßnahmen sehen wir die Handlungsfähigkeit Ihrer Bundesregierung beim Klimaschutz nicht mehr gegeben.“

„Wir Menschen haben leider nicht mehr viel Zeit um den Klimawandel aufzuhalten. Selbst um die globale Erwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen, muss jetzt sofort massiv umgesteuert werden. U.a. müssen alle klimaschädlichen Subventionen sofort beendet, ein Viertel der Kohlekraftwerke in Deutschland müssen sofort abgeschaltet und ein CO2-Preis, der die Kosten für zukünftige Generationen eingeführt werden. Laut Umweltbundesamt müsste dieser CO2-Preis 180 Euro pro Tonne betragen, andere Schätzungen gehen sogar von noch höheren Kosten aus, die sich teilweise weit auf über 500 Euro pro Tonne belaufen“, so die Klima-Aktivisten.

Fridays For Future fordert daher mittelfristig vor allem drei Dinge:

  • Das Ende der Kohlekraft bis 2030
  • 100 Prozent Erneuerbare Energien in allen Bereichen bis 2035
  • Ein CO2 neutrales Deutschland bis 2035

Dass man die Kohlekraft bis 2030 in Deutschland abschalten könnte, hat das Fraunhofer Institut berechnet: Die Wissenschaftler haben realistische Modelle aufgestellt, wie sich bis zum Jahr 2035 100 Prozent Erneuerbare Energien in allen Bereichen (also Strom, Wärme, Industrie und Verkehr) erreichen lassen. Die Verpflichtung, dass Deutschland ab 2035 nicht mehr CO2 ausstoßen kann als durch natürliche Prozesse in Deutschland wieder aufgenommen werden können, ergibt sich aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das die Erderwärmung auf unter maximal 2 Grad, besser 1,5 Grad begrenzen will.

Wird die Erderwärmung nicht wie im Pariser Abkommen vorhergesehen auf 1,5 Grad begrenzt, drohen dramatische Folgen: Hitzewellen wie 2003, als es allein in Deutschland mehrere Tausend Tote aufgrund des Wetters gab, könnten dann nichts Außergewöhnliches mehr sein. Sowohl Dürren als auch Überschwemmungen werden zunehmen, was die Lebensmittelerzeugung schwerer und teurer machen wird. Aus ärmeren Ländern werden Millionen Menschen fliehen und versuchen in Gebiete zu gelangen, in denen das Klima wenigstens erträglich ist.

Die nächste Demonstration von Fridays For Future in Karlsruhe findet am 29.11. statt. Für einige DemonstrantInnen geht es heute um 18 Uhr auf dem Kronenplatz weiter, wo die „Critical Mass“ startet. -ps

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