Vom Perfekt Futur ins Festigungs- und Expansionszentrums Fux

Stadtleben // Artikel vom 13.05.2019

Die Fächerstadt geht den next Step, um das Cupertino am Oberrhein zu werden.

13 einstige Start-ups aus dem 2013 eröffneten Gründerzentrum Perfekt Futur sind aus ihren zu Büroräumen umgebauten Seefrachtcontainern ins Festigungs- und Expansionszentrum Fux am östlichen Schlachthof-Rand gezogen, mit dessen Einweihung Mitte April weitere 3.300 Quadratmeter samt Konferenz- und Seminarräumen sowie Coworking-Spaces für Kreativunternehmen auf Wachstumskurs zur Verfügung stehen. Bauherrin des lichtdurchfluteten Sieben-Millionen-Euro-Gebäudes ist die Karlsruher Fächer GmbH; die Vergabe der Flächen obliegt wiederum dem gemeinsam von der Wirtschaftsförderung und dem Kulturbüro des Kulturamtes betriebenen K3 Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, das nun ebenfalls im Fux zuhause ist. Welche Geschäftsideen der Inkubator Kreativpark in den vergangenen sechs Jahren heranwachsen ließ, zeigen unsere Best-Practice-Beispiele. -pat
Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, Tel.: 0721/82 10 06 61, Alter Schlachthof 33, www.k3-karlsruhe.de

Funkybooth
Was haben ein Bus, ein Drucker und ein Fotoautomat gemeinsam? Wenn sie aus der Foto-Marketing-Agentur von Jennifer Kastner und Gary Phillips stammen, sind sie allesamt funky und erfüllen den schönen Zweck, die Leute auf Partys, Veranstaltungen oder Firmenmessen mit dem größtmöglichen Spaß- und Werbefaktor ins Gespräch zu bringen. Klassiker ist die Funky Box, ein Fotoautomat mit Sofortdrucker. Gäste oder Besucher lächeln oder posen mit witzigen Gimmicks, der Automat hält den Moment auf Fotostreifen oder im klassischen 10x15-Format fest. Außerdem können die Schnappschüsse in Social-Media-Kanäle eingespeist, ans Smartphone geschickt oder an Social-Media-Walls geworfen werden. Wer mag, lässt sich interaktive Layouts programmieren: Der Nutzer entscheidet sich z.B. für sein Traumreiseziel, die Software kreiert den individuellen Hintergrund. Retro- oder Schwarz-Weiß-Filter erzeugen aufregende Effekte oder steigern die Markenidentität. Oder man druckt zusätzlich zum Erinnerungsfoto einen personalisierten Produktgutschein aus und löst ihn beim nächsten Einkauf ein. Die Idee zur Fotobox entstand in England; zur Erfolgsgeschichte wurde Funkybooth in Karlsruhe, wo Kastner und Phillips 2015 ins Perfekt Futur zogen. „Das kreative Umfeld hat sehr dazu beigetragen, weitere Foto-Marketing-Tools zu entwickeln“, sagt Kastner und präsentiert stolz ihren Festival- und Roadshow-kompatiblen Funky Bus, außen individualisierbar, innen mit der kompletten Fototechnik ausgestattet, und den Hashtag-Drucker Funky#Print, das beliebteste Kind der Funky-Familie. Hier schießen die Gäste Fotos mit ihren Handys, die sie mit einem Event-Hashtag auf Instagram und Co. posten. Der Drucker erfasst den Hashtag und druckt das Bild automatisch im individuell gestalteten Layout als Erinnerungsfoto aus. Die Funky-Social-Wall bündelt und präsentiert dann alle Posts zu einem bestimmten Hashtag, egal auf welchem Kanal sie veröffentlicht sind. Mit dem Umzug ins Fux haben Kastner und Phillips die Avee GmbH gegründet, um ihr funky Portfolio in naher Zukunft auch zum Kauf anzubieten. -lic
Tel.: 0721/82 10 08 83, www.funkybooth.eu

Kenforx
Wer wissen will, was die Zukunft gebracht haben wird, ist bei Kenforx an der richtigen Adresse. „Wer etwas über die Zukunft erfahren will, kann ein Orakel befragen oder Dinge aus Erfahrungswissen ableiten“, sagt Prognosespezialist Jan Schröder von Kenforx, „aber wenn nur wertlose Altdaten vorliegen, oder in ganz neuen Situationen ohne Datenbestand, benötigt man andere Mittel.“ Ein Beispiel: Ein Unternehmen führt alle zwei Jahre eine große Mitarbeiterumfrage durch. Die Ergebnisse sind wertvoll, aber die Umsetzung ist sehr aufwendig. Deshalb nutzt es dazwischen Kenforx: Die Teilnehmer erhalten virtuelles Spielgeld und investieren es in Aussagen zu Fragen wie „Wie gut sind wir im Bereich Digitalisierung aufgestellt?“ oder „Wie hoch ist die Mitarbeiterzufriedenheit auf einer Skala von null bis 100?“ Je näher die Aussage am Ergebnis liegt, desto höher wird der Invest belohnt. Dies stellt sicher, dass die Teilnehmer nur in Themen investieren, zu denen sie etwas zu sagen haben. „Wir sind eine Art Wasserstandsanzeiger“, fasst Schröder die Leistung von Kenforx zusammen. „Denn wir machen in diesem Fall keine Meinungs-, sondern eine Einschätzungsumfrage. Also wir fragen nicht ‚Was wählst du?‘, sondern wir fragen ‚Was denkst du, wie gewählt werden wird?‘“ So setzen sich die teilnehmenden Mitarbeiter permanent mit unternehmensrelevanten Themen auseinander, sie gewinnen etwas, engagieren sich für die Gemeinschaft – und die Gemeinschaft profitiert davon. Teilnehmen können neben Mitarbeitern auch an der Wertschöpfungskette beteiligte Personen, z.B. Lieferanten oder Alumni. Kenforx ist ursprünglich als KIT-Spin-off entstanden; Ende 2013 zog der promovierte Wirtschaftsingenieur Schröder mit einem kleinen Team vom Campus Süd ins Containerdorf. „Der Schlachthof ist eine Gründerkleinstadt, man bekommt hier zu jedem Wachstumszeitpunkt das nötige Angebot.“ Zu viert haben sie im Perfekt Futur begonnen, zum Schluss war man zu zwölft. „Wir haben von Anfang an auch Sitzplätze an andere vergeben, die mittlerweile zum Teil selbst gegründet haben. Wir sind Crowd-Worker. Hier auf dem Schlachthof konnten wir die Kräfte für unsere Projekte immer so zusammenziehen, wie wir sie gebraucht haben.“ -lic
Tel.: 0721/619 02 40, www.kenforx.com

Dorfjungs
Dass die Welt online ist, werden auch die letzten Firmen bald gewusst haben. Die Dorfjungs arbeiten schon seit 2015 nach dem Credo „Digital First“. Ob UI oder UX – das mittlerweile sechsköpfige Team liefert Design, Content, strategische Beratung und Umsetzung. Das Besondere an der Digital-Agentur um die Gründer Joshua Keck, Jonas Marckert und Alex Wagner: Die technischen Möglichkeiten sind für sie nicht Zweck, sondern Mittel. Im Rampenlicht steht der Kunde mit seinem jeweiligen Produkt, der Webauftritt wird passgenau auf die spezifischen Nutzerbedürfnisse zugeschnitten und entsprechend inszeniert. „Wir entwickeln digitale Erlebnisse, die Unternehmen wirklich voranbringen. Nicht nur hübsche Fassaden ohne Substanz“, beschreibt Business Developer Wagner die Arbeitsweise. Dass sie dabei vielseitig denken und sich auf jeden Kunden einstellen, beweist ihr Showreel: Schaufensterkampagnen von Konditoreien werden so gekonnt in Szene gesetzt, dass einem nicht nur digital das Wasser im Mund zusammenläuft; der Blick ins Edelrestaurant ist gediegen und ruhig, die Animationen diskret, aber einladend; und Montageprozesse werden so lebendig und spannend gestaltet wie ein Computerspiel. Dabei bieten die Dorfjungs weit mehr als reine Programmierdienstleistung. Sie beraten ihre Kunden so, dass auch Nicht-digital-Natives (also Menschen, die noch E-Mails schreiben) verstehen, worum es geht und welche Möglichkeiten sie im Netz überhaupt haben. Sie erstellen Konzept und Design für den Online-Auftritt, kümmern sich um die technische Umsetzung von Webseiten, Onlineshops oder digitalen Produkten, bieten Digital Branding und entwickeln Web-Apps. Eines der jüngsten Projekte war die Website für Mack Media, die Spezialfilme und Games für Freizeitparks, 4D-Kinofilme und Virtual-Reality-Animationen erstellen. Den starken Content inszenierten die Designer durch bewusst zurückhaltendes Layout und unaufdringliche Animationen und wurden dafür von Awwwards mit einer „Honorable Mention“ ausgezeichnet. Im Fux wollen die Dorfjungs vor allem personell wachsen und neue Technologien ausprobieren. „Wir sind ständig auf der Suche nach talentierten Designern, Programmierern und Projektmanagern“, sagt Wagner, „egal ob männlich oder weiblich, Vollzeit, Praktikum oder Werkstudent.“ Interessierte können gerne unter hallo@dorfjungs.com anklopfen. -lic
Tel.: 0721/78 36 31 00, www.dorfjungs.com

Let’s Dev
Nicht im Perfekt Futur groß geworden und doch ein echtes Schlachthof-Gewächs ist Let’s Dev. Mit acht Mitarbeitern bezogen die Gründer Christian und Karl-J. Wack 2013 Räume in der Remise, doch schon früh zeichnete sich aufgrund des anhaltenden Wachstums weiterer Platzbedarf ab. Zwei Jahre später mieteten die Brüder Wack zusätzlich das Kühlhaus an, auch hier wurde es recht bald zu kuschelig. „Wir sind kein Start-up mehr, sondern befinden uns in der Wachstumsphase, erläutert Karl-J. Wack, zu dessen Kunden sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Konzerne zählen. Seit April genießt das 40-köpfige Team als Fux-Ankermieter das gemeinsame Arbeitsleben auf 800 Quadratmetern. Wack freut sich: „Jetzt haben wir Platz für weiteres Wachstum und kreative Freiräume in einem technisch sehr gut ausgestatteten Gebäude. Nun können wir wieder aktiv auf Kunden zugehen und akquirieren.“ Let’s Dev hat sich auf die Entwicklung von Individualsoftware spezialisiert, insbesondere auf mobile Applikationen. Welche Branche mit der Fragestellung auf die Softwareentwickler zukommt, ist zweitrangig. Die Apps vereinfachen die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, z.B. für die Diagnose und Wartung von Industrieanlagen oder die Programmierung von CNC-Maschinen. Sie erleichtern Außendienstmitarbeitern die Arbeit durch virtuelle Dokumentenordner oder Echtzeitzugriff auf Vertriebsinformationen. Sie ermitteln Strömungsgeschwindigkeiten und berechnen Druckwiderstände oder die schnellste und sicherste Transportroute für Lkw. Ob Dokumentenerfassung nach höchsten Datenschutzstandards, Jahreskalender-Apps, Last-Minute-Reisebuchungen oder Kinder-E- und Audio-Books – Let’s Dev entwickelt Lösungen für Industrie, Vertrieb, Lifestyle, Engineering, Logistik und Virtual oder Augmented Reality. Da den Brüdern die ganzheitliche Beratung am Herzen liegt, bieten sie zur Software auch Konzeption und Vermarktung an. Wer sich von der App-Schmiede zu mobilen Arbeitslösungen beraten lassen möchte, findet das Team von Let’s Dev im ersten OG und zusätzlich in der Niederlassung Hamburg. Auch Developer oder UX-Designer mit Über- statt Tunnelblick sind eingeladen, sich bei Let’s Dev zu bewerben (contact@letsdev.de) und vielleicht bald selbst im neuen Fux-Bau zu sitzen. -lic
Tel.: 0721/266 76 50, www.letsdev.de

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