Werkstattpalast 2022

Stadtleben // Artikel vom 01.10.2022

Werkstattpalast (Foto: Sabine Adler)

Wissenschaft, Kunst und Hotdogs.

Klingt nach einer ausgefallenen, aber keinesfalls schlechten Kombination! Gepaart mit Musik und Barbetrieb ergibt sich daraus im Industriegebiet des Rheinhafens ein kleines Festival, das sich in der fliegenden Architektur noch bis Mitte Oktober abspielt. Die Idee eines offenen Gerüsts, das es erst noch zu füllen gilt, überzeugt: Der an den beiden Längsseiten offene „Werkstattpalast“ wirkt einladend und nimmt den BesucherInnen etwaige Schwellenangst. Die Materialien, aus denen die Architektur besteht, wurden spielerisch eingesetzt und sind obendrauf noch wiederverwendbar. Das Programm ist breit aufgestellt und über einen langen Zeitraum vielfältig gestaltet. Man sieht deutlich den Ansatz, der hier verfolgt wird – nämlich fächerübergreifend bei Vorträgen, Dialogen und Workshops zusammenzukommen und sich gegenseitig zuzuhören und auszutauschen. Das alles bei kostenlosem Eintritt. So hielt HfG-Absolventin Judith Milz bspw. im August einen Vortrag unter dem Titel „Was ist ein/e KünstlerIn?“ und erzählte spannend-kurzweilig von ihrem Werdegang und vor allem von ihrem Alltag als freischaffende Künstlerin. Der Sonnenuntergang über der Anlegestelle des Rheinhafens, der ihre Präsentation begleitet hat, ist ein willkommener Bonus, der zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Der „Werkstattpalast“ bietet auch für andere Künstler eine Darstellungsfläche und präsentiert auf Teilen der Verkleidung eine kleine Ausstellung. Die hier gezeigten Editionen können zudem vor Ort auch erworben werden. Es sei empfohlen, sich vorab mit dem „Werkstattpalast“ und der dahinterstehenden Idee zu befassen, denn nicht alles Gezeigte ist selbsterklärend und niederschwellig und mit etwas mehr Informationen vorab lohnt sich der Besuch auf jeden Fall noch mehr! Positiv hervorzuheben: In Karlsruhe ist tatsächlich ein neuer Ort entstanden, es wurde nicht auf bereits vorhandenen Raum zurückgegriffen. Der „Werkstattpalast“ befindet sich zwar etwas abseits vom Schuss, aber in einer äußerst charmanten und zur Thematik hervorragend passenden Location, die die Analogien von Kunst und Wissenschaft betont und vor allem auch den Wert der Kunst für die Wissenschaft deutlich macht. -sab

Die Initiative der Kunstplattform Ato und des KIT Innovation Hub gibt sich mit seiner „fliegenden Architektur“ einladend und niederschwellig. Das offene Gerüst besteht aus spielerisch eingesetzten, wiederverwendbaren Materialien und wird im Laufe der zwei Monate Festivaldauer immer wieder anders mit Inhalten aus Kunst, Musik und Wissenschaft gefüllt. Hier treten vermeintlich getrennte Disziplinen in Beziehung. Apropos: Am Sa, 1.10. dreht sich’s in einem Talk um Arbeitsbeziehungen zwischen Paaren – von Marie und Pierre Curie bis zu Marina Abramović und Ulay (15 Uhr). Im Anschluss geht es weiter im Dialog über faire Verteilung im Kunstbetrieb (18.30 Uhr) und DJ-Sets von Gaisma (Downtempo/Electro) und Baby Tooth & Firat (Progressive Techno, ab 20 Uhr). Auch der Workshop von Sophia Pompéry widmet sich neuen Möglichkeiten der Umverteilung von Macht und Kapital in der Kunst (So, 2.10., 12 Uhr). Wie das Festival verorten sich auch Mira Hirtz und Maximilian Grünewald zwischen Kunst und Wissenschaft. Ihrem Vortrag am Do, 6.10., 18.30 Uhr, lassen sie die Performance „Die Bretter, die die Bretter bedeuten“ (Fr, 7.10., 20.30 Uhr) sowie einen Talk zum transdisziplinären Forschen folgen (Sa, 8.10., 18.30 Uhr). Der Werkstatt-Sonntag am 9.10. wird vom Bio Design Lab der HfG zum Thema der ökologischen Verantwortung in Kunst und Design gestaltet (ab 12 Uhr), danach zeigt Ato-Künstler Benjamin Breitkopf einen Film (19 Uhr). Musik wird an diesem Wochenende von Sebastian Heck (Disco/Soul, 6.10.), Irelier (Algo-Rhythm/Noise, 7.10.) und SK Libra (Emotional Breakbeats, 8.10.) aufgelegt, immer ab ca. 20 Uhr. Für ein musikalisches Highlight sorgt am Do, 13.10. Radio-DJ Klaus Fiehe, der auch als „deutscher John Peel“ gilt und seit Jahrzehnten musikalischen Trends von Krautrock über Dub bis zu Drum’n’Bass nachspürt (20 Uhr). Davor resümieren Ato und der KIT Innovation Hub die zehn Wochen „Werkstattpalast“ (18.30 Uhr). Mit einer Videoperformance für rund 50 Personen von Kilian Kretschmer (Fr, 14.10., 20.30 Uhr) und einem anschließenden DJ-Set von Sebastian Heck (Disco/Soul) sowie einem Talk über die Zukunft der Interdisziplinarität (Sa, 15.10., 15 Uhr) und DJ-Tunes von R4A, Super Venus und Hitekjaz (Trance/Techno/Breaks, 20 Uhr) schließt sich der Palast. Bis dahin zeigen das vielseitige Programm, gepaart mit Barbetrieb, hafentypischen Fischbrötchen und (auch veganen) Hotdogs von DeliBurgers, wie man den Rheinhafen in Zukunft alternativ nutzen könnte. -fd

bis 15.10., Do-So, An der Anlegestelle, Karlsruhe
www.werkstattpalast.de

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