Zur angedachten Bebauung des Dammerstocks

Stadtleben // Artikel vom 11.04.2019

Dammerstock (Foto: Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild)

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild (ArKaS) hat nach einer Sitzung des Bürgervereins vom 22.3., bei der u.a. Pläne von Studierenden der Architekturfakultät des KIT für eine Überbauung des Bunkers im Dammerstocks vorgestellt wurden, den Dammerstock auf seine Rote Liste der gefährdeten Karlsruher Kulturdenkmäler gesetzt.

Nachfolgend der komplette Text der ArKaS von deren Website arbeitsgemeinschaftkarlsruherstadtbild.com. -rw

Rote Liste: Dammerstock
Auch vor dem einzigen wirklichen Bauhaus-Zeugnis in Karlsruhe wird die Nachverdichtung offenbar nicht haltmachen: Für die Dammerstock-Siedlung gibt es Pläne der Überbauung. Eine besonders problematische Entscheidung. Die ArKaS meldet grundsätzliche Vorbehalte gegen eine Überbauung an. Sie sieht jeglichen Neubau an dieser Stelle, egal wie hoch und in welcher Form er ausfallen würde, als eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Konzeption von Walter Gropius, ja einen Schlag gegen das kulturelle Erbe des Bauhauses. In Berlin werden vergleichbare Siedlungen der 20er Jahre als Weltkulturerbe geschützt, in Karlsruhe sieht man darin nur Potenzial für Veränderung.

Rüppurr: Dammerstock-Siedlung
Mit der Dammerstock-Siedlung besitzt Karlsruhe ein bedeutendes Kulturdenkmal, das auch international als hochrangiges Zeugnis der Bauhaus-Ideen gilt. Als Generalplaner und künstlerischer Oberleiter hat Walter Gropius, Gründer und Leiter des Bauhauses, nach einem Wettbewerbserfolg diese Mustersiedlung realisiert, die im Herbst 1929 mit der Ausstellung „Die Gebrauchswohnung“ ein großes Echo fand. Konzeption, Typus und Aussehen sind eng mit den Leitbildern des Bauhauses verbunden, auch wenn Gropius beim Wettbewerb 1928 gerade die Direktion der Dessauer Schule niedergelegt hatte und andere renommierte Architekten der Moderne – Franz Roeckle aus Frankfurt, Wilhelm Riphahn aus Köln und Otto Haesler aus Celle, aber auch Karlsruher Architekten – beim Bau der Häuser eingebunden waren. Seit 1942 zerstört ein von den Nationalsozialisten errichteter Bunker die Pläne von Walter Gropius, in denen er seither wie ein störender Fremdkörper wirkt. Irritierend ist, dass just im Bauhaus-Jahr 2019 unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit nicht etwa der Abbruch des Nazi-Bunkers, sondern sogar eine Überbauung des Nazi-Bunkers im Herz der Siedlung vorangetrieben wird, die Struktur und Erscheinungsbild des Dammerstocks noch weiter zu beeinträchtigen droht. Die ArKaS meldet grundsätzliche Vorbehalte gegen eine Überbauung an. Sie sieht jeglichen Neubau an dieser Stelle, egal wie hoch und in welcher Form er ausfallen würde, als eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Konzeption von Walter Gropius, ja einen Schlag gegen das kulturelle Erbe des Bauhauses.

Pläne für die Überbauung des Nazi-Bunkers 1970
Schon zweimal stand eine Überbauung des großflächigen, ein Geschoss hoch aus der Erde ragenden Bunkers aus dem Jahr 1942 zur Diskussion. Zunächst um 1970, als Helmut Bätzner, der Architekt des Badischen Staatstheaters, ein Terrassenhochhaus im Brutalismus-Stil jener Jahre an dieser Stelle vorschlug. Das Projekt wurde glücklicherweise schnell wieder zu den Akten gelegt, da der Bund als Eigentümer des Bunkers eine solche Planung ausschloss und danach den Bunker sogar auf den neuesten Stand der Technik brachte. Leider hat man dabei die ursprüngliche Verkleidung mit roten Sandsteinquadern entfernt und durch Betonfertigteile ersetzt. Anfang der 1990er Jahre versuchten Rossmann+Partner ihr Architekturbüro im benachbarten Waschhaus durch eine Aufstockung des Bunkers zu erweitern. Vehemente Proteste von couragierten Anwohnern ließen diese Absicht schließlich auch scheitern.

Aktuelle Pläne für die Überbauung des Nazi-Bunkers
Nun wird das Thema neu aufgewärmt. Die Baugenossenschaft Hardtwaldsiedlung möchte hier in einem Neubau Wohnungen oder eine Kita realisieren. Die Überlegungen scheinen schon weit gediehen: Architekturstudierende des KIT haben sich im Rahmen eines Seminars Gedanken dazu gemacht. Das Stadtplanungsamt hat die Überlegungen bereits im vergangenen Jahr dem Planungsausschuss und dem Gestaltungsbeirat vorgestellt, und niemand scheint dabei Bedenken zu haben. Es steht zu befürchten, dass das Stadtplanungsamt – wie in letzter Zeit häufiger geschehen (Bebauung der Hardtwaldsiedlung am Fasanengarten, Erweiterung des Schlosses Augustenburg in Grötzingen, Neubau Blücherstr. 20/ Dragonerstr. 6, Neubebauung des Landratsamts am Ettlinger Tor) – auch hier kulturgeschichtliche und stadtbildpflegerische Aspekte dem Nachverdichtungsdruck opfert. In Berlin werden vergleichbare Siedlungen der 20er Jahre als Weltkulturerbe geschützt, in Karlsruhe sieht man darin nur Potenzial für Veränderung. Müssen wir also damit rechnen, dass Stadt und Hardtwaldsiedlung in völliger Verkehrung der Tatsachen demnächst ein Neubauprojekt unter dem Titel „Gropius weiterdenken“ anzupreisen versuchen?

Dammerstock-Siedlung nach Gropius’ Plänen erhalten
Die ArKaS ist der Auffassung, das wahre Geschenk der Stadt Karlsruhe zum Bauhaus-Jahr kann nur der Abbruch des Bunkers und die Wiederherstellung der ursprünglichen Freifläche sein. Als billigere Alternative könnte ein rundum als auch auf dem Dach begrünter sowie begehbarer Bunker den ursprünglichen städtebaulichen Intentionen des Bauhaus-Gründers zumindest ein Stück weit entgegenkommen.

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