Zur Kasse – und weiter?

Stadtleben // Artikel vom 31.07.2007

Wohin fließen in Karlsruhe die Studiengebühren? Von Franziska Beyer.

Die Vorlesungszeit des Sommersemesters neigt sich dem Ende zu. Dank der frisch eingeführten Studiengebühren in Höhe von 500 Euro plus Verwaltungs- und Studentenwerksbeitrag dürften Ferienjobs in diesem Sommer gefragter sein denn je. Eine "unmittelbare qualitative Verbesserung von Studium und Lehre" versprachen sich die Gesetzgeber von der neuen Abgabe, die mit ca. 180 Mio. Euro jährlich die Baden-Württembergischen Hochschulhaushalte aufbessern soll.

Die konkrete Verwendung der Gelder ist dabei Sache der Universitäten. Das Gros der Karlsruher Schulen hat die ersten Ankäufe bereits getätigt: Zusätzliche Tutoren und Lehraufträge, eine bessere technische Ausstattung der Lehrsäle und verlängerte Öffnungszeiten der zentralen Einrichtungen stehen an oberster Stelle der Prioritätenlisten. So hat die Staatliche Hochschule für Gestaltung für knapp 90.000 Euro ihren Rechnerpark ausgedehnt und ca. 20.000 Euro in die Einrichtung eines internen W-LAN-Netzes investiert. Die Universität Karlsruhe richtete 75 neue Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter ein, um eine weitgehende Verbesserung der Betreuung in der Studienberatung und den Labors sowie eine Verkleinerung der Tutorien zu erreichen.

Die Hochschule für Musik hat ihrem Asta darüber hinaus einen Betrag zur Verfügung gestellt, über den er frei entscheiden kann; an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft setzt man auf ein erweitertes Sprachenangebot sowie Schließfächer in allen Gebäuden, und die Hochschule für Gestaltung will mit den überschüssigen Mitteln Exkursionen und kostspielige Diplomarbeiten bezuschussen.

Bei der Verteilung der Gelder haben auch die Studenten ein Wörtchen mitzureden. "Allerdings zieht sich der Entscheidungsprozess angesichts aller Gremien, Zielvereinbarungen und Absprachen doch ziemlich hin", weiß die UStA-Vorsitzende der Universität Sylvia Barkholz. Noch längst nicht wurden die vollen 13 bis 14 Mio. Euro ausgegeben, die für die rund 18.500 Studenten zur Verfügung stehen. Die Studentin der Pädagogik und Soziologie ist ohnehin momentan unzufrieden mit der Linie der Hochschulleitung. "Zum Beispiel werden die Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften bei der Vergabe der Gelder zugunsten der Naturwissenschaften vernachlässigt", ärgert sie sich. "Sie sollen unter dem Argument einer 'Solidargemeinschaft' gleich vierzig Prozent ihrer Mittel an andere Teile der Hochschule abtreten."

David Heitz, Mitorganisator des im Februar beendeten Studiengebührenboykotts befürchtet, dass sich die Landesregierung durch die Gebühreneinnahmen und zunehmende Kürzungen der Zuschüsse schleichend aus der Verantwortung stehlen könnte, so dass die Gelder aus dem Gebührentopf nicht mehr ausschließlich für die Qualität der Lehre verwendet werden könnten. An der Kunstakademie, wo er studiert, haben die Professoren und Studenten deshalb besonders darauf geachtet, dass mit den Einnahmen keine Haushaltslöcher gestopft wurden. Statt dessen will man hier in Arbeitsmaterial für die Studenten, Tutoren für alle 15 Klassen, Exkursionen und eine digitale Bilddatenbank investieren. 

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