29. Baden-Württembergische Literaturtage

Wissen & Buch // Artikel vom 16.09.2012

Jetzt ist Karlsruhe also doch noch Kulturhauptstadt.

Allerdings nicht für ganz Europa, sondern beschränkt aufs Ländle und eine Sparte, wenn das größte Literaturfestival Baden-Württembergs nach 21 Jahren zum zweiten Mal in der Fächerstadt Station macht – auf Initiative des Kulturamts und Hansgeorg Schmidt-Bergmann, als Leiter der Literarischen Gesellschaft ein Protegé des hiesigen Literaturbetriebs. Die seit 1983 jährlich weiterziehende Reihe ballt über 40 Veranstaltungen mit Erzählungen, Romanen, Lyrik, Poetry Slams, Theater und Performances in ihrem Programm unterm Motto „Wert Wort Wandel“.

Eröffnet werden die „Literaturtage“ am Do, 20.9. eintrittsfrei (aber mit Gratiszählkarten ab 18 Uhr) im Badischen Staatstheater, wo Komponist und Dichter Jaap Blonk (19.30 Uhr, Kleines Haus) in einer dadaistischen Lautpoesie-Performance die „Ursonate“ von Kurt Schwitters rezitiert. Vanessa Zörrer und Lena Petri repräsentieren die „Junge Literatur aus Karlsruhe“ (20 Uhr, Foyer), Jazz-Rock-Pionier Wolfgang Dauner und Wolfgang Schorlau treten in musikalisch-literarischen Dialog (21 Uhr, Kleines Haus) und Spoken Word Artists mit Schauspielern des Staatstheater-„Teams der toten Dichter“ in Konkurrenz (21 Uhr, Studio).

„Ungewöhnliche Helden, Familiengeheimnisse – und eine Vor-Premiere“ (Fr, 21.9., 18 Uhr, Museum für Literatur am Oberrhein/MLO) hält der Leseabend von Martin Gülich, Martin von Arndt, Patrick Findeis und Markus Orths parat, der aus seinem 2013 erscheinenden Band „Irgendwann ist Schluss“ vorträgt. „Liebeslogik – Wie Reden Probleme schafft und Schweigen keine löst“ (Sa, 22.9., MLO) ist die hoffnungslose Ausgangslage vor der Lesung mit Hanns-Josef Ortheil (18 Uhr) und dem Ehe- und Autorenpaar Theresia Walser und Karl-Heinz Ott (20 Uhr). „Vom (zufälligen) Kennenlernen“ (Mo, 24.9., MLO) haben es Rainer Wochele (18 Uhr) und Jürgen Lodemann (19 Uhr), bevor Benjamin Lebert (20 Uhr) aus seinem neuen Roman „Im Winter dein Herz“ liest.

Ihren „Angriff auf das Zwerchfell“ im Programmpunkt „Kabarett, Kalendergeschichten und Klinikneurotiker“ (So, 23.9., BLB) haben Gunzi Heil und Harald Hurst (17 Uhr) für die wenigen, die sie nicht kennen, fairerweise schon mal angekündigt. Es folgen die „Betrachtungen eines Krankenhausgängers“ von Joachim Zelter (19 Uhr) sowie Georg-Büchner-Preisträger Arnold Stadler (20 Uhr).

Ihre neuen Werke „Vom Schlafen und Verschwinden“ und „Idyllen in der Halbnatur“ schlagen Katharina Hagena (Fr, 28.9., 18 Uhr) und Wilhelm Genazino (20 Uhr) in der Stadtbibliothek auf. An selber Stelle liest Annette Pehnt (Mi, 26.9., 20 Uhr) aus ihrem Drei-Generationen-Frauen-Roman „Chronik der Nähe“. In der Landesbibliothek tragen die „Allmende“-Autoren Matthias Göritz (Mi, 26.9., 19 Uhr) und Silke Scheuermann (20 Uhr) Lyrik und Prosa vor.

Als Gewinnerinnen des Gedok-Literatur-Förderpreises von 2007 und 2010 präsentieren sich Carmen-Francesca Banciu und Anja Kümmel in „Von digitalen Schläfern und verlassenen Genossen“ (Mi, 26.9., 20 Uhr, Kohi); fünf weitere Künstlerinnen aus den baden-württembergischen Gedok-Regionalgruppen gestalten die Literatur- und Trommel-Performance „Take Five“ (Do, 27.9., 18 Uhr, U-Max, Eintritt frei), und begleitet von Literatur zeigt das Künstlerinnenforum Malereien, Druckgrafiken und Skulpturen (Fr, 28.9., 19 Uhr, Gedok, Eintritt frei). Nah dran an der Realität sind die Altstadt-Texte, die Harald Schwiers fürs „Lebendige Dörfle“ (Fr, 28.9., 18 Uhr, Stadtmuseum) ausgesucht hat. Der Höhepunkt im Lesungsreigen: Martin Walser und sein neuer Roman „Das dreizehnte Kapitel“ (Di, 25.9., 20 Uhr, Stephansaal).

Zum „Bücherbüffet Aperitif“ am Mo, 24.9., 19.30 Uhr, Schauraum und Di, 25.9., A&S Bücherland werden in „Literaturquickies“ bzw. beim „Autoren-Speed-Dating“ Highlights der Messe für
Kleinverleger und Buchschaffende vorgestellt, die vom 18.-21.10. in der Alten Fleischmarkthalle stattfindet. Slam-Freunde schauen bei „Bento Dühne“ (Di, 25.9., 19.30 Uhr, Bento, Eintritt frei) oder der poetischen Kissenschlacht „Wortkunst“ (Fr, 28.9., 20.30 Uhr, Tollhaus) vorbei, wo zum 63. „Kohi-Slam“ zehn der Besten Baden-Württembergs antreten. Und wenn Liedermacherin und Britta-Sängerin Christiane Rösinger (So, 30.9., 20 Uhr, Jubez) aus ihrer Pärchenelends-Analyse „Liebe wird oft überbewertet“  gelesen hat, setzt’s den kulturphilosophisch-psychologischen „Literaturtage“-Schlussakkord. -pat

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