„Der Wildpark kocht“...

Wissen & Buch // Artikel vom 02.03.2009

...so der sprechende Titel eines neuen Buches, in dem die KSC-Kicker und Verantwortlichen ihre Lieblinsspeisen vorstellen, samt Rezepten.

Eigentlich eine witzige Idee, doch hätte etwas mehr Fantasie bei der Rezeptauswahl - auch angesichts der Internationalität des Kaders - dem ansonsten liebevoll gestalteten Buch in Sachen Unterhaltungswert und Authentizität mehr als gut getan.

Ob Mama Iashvili ihren Filius im heimischen Tiflis tatsächlich mit Insalata Caprese abfüttert, anstatt ihn mit Chinkalis - einer Art herzhaft gefüllter georgischer Tortellini - zu verwöhnen oder Bradley Carnell als waschechter Südafrikaner sonntags beim traditionellen Braai nicht doch lieber ein gut abgehangenes Elenantilopenstaek auf den Grill haut und sich, wie seine Vorfahren während der Burenkriege, im Trainingslager mit Biltong (in Streifen geschnittenes, mageres Pökelfleisch), Rusks (harte, trockene Biskuits, die man im Busch wegen ihrer langen Haltbarkeit schätzte) und Portwein bei Kräften hält, statt unentwegt Penne all´arrabbiata zu mampfen, darf doch stark bezweifelt werden.

Unter den löblichen weil den kulinarischen Horizont erweiternden Ausnahmen sind Godfried Aduobe mit Nantwi dua (Ghanesischer Ochsenschwanzeintopf) oder Toni da Silva mit dem brasilianischen Nationalgericht Feijoada (Eintopf aus schwarzen Bohnen) - sogar „Iron“ Maik Franz, der angebliche Badboy der Liga, von dem man zumindest annehmen könnte, er ernähre sich hauptsächlich von Steak Tartar oder fische wenigstens mit bloßer Hand Lachse aus der Alb,  langweilt mit lauwarmem Meeresfrüchtesalat, also Weichtieren!

Auch die italienische Küche von Vater Porcello hätte doch sicher Interessanteres zu bieten gehabt als Schokoladen-Mus und Edmond Kapllani wohl Einiges über die unzähligen Möglichkeiten ein albanisches Pite (Blätterteiggebäck) zu füllen berichten können. Stattdessen werden ihm und dem gesamten derzeit reichlich zahnlos agierenden Sturm seniorengerechte Gaumenschoner wie Crème brûlée, Tomaten-Orangen-Suppe (Joshua Kennedy) und Mango-Panna cotta (Sebastian Freis) in den Mund gelegt.

Da fragt man sich dann doch ob zwischen Lieblingsessen und Leistungsbilanz nicht ein Zusammenhang bestünde. Wirft man unter diesen Gesichtspunkten einen Blick auf die Rezepte mancher Entscheidungsträger im Club kann einem schon flau im Magen werden.

Ein Schokoladensoufflé (Präsident Hubert Raase) schmeckt zwar süß, besteht aber hauptsächlich aus heißer Luft und die Roulade, von Manager Rolf Dohmen favorisiert, hat aufgrund ihrer eingerollten Gestalt doch irgendwie etwas Autistisches, was insbesondere für die Spielerbeobachtung einiges befürchten lässt. Egal, jetzt ist wenigstens Giovanni Federico wieder da. Und auch wenn er nicht einschlägt: Seine Frau kennt angeblich das beste Rezept für Pasta al forno! -mex

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