Die wundersame Welt des Hanfes

Wissen & Buch // Artikel vom 11.01.2022

Hanf (Foto: Kimzy Nanney / unsplash.com)

Denken wir an Hanf, kommen uns sofort die wilden 68er Jahre in den Sinn.

Vor unserem inneren Auge erscheinen bunt gekleidete Hippies, die im Drogenrausch lasziv tanzen. Die Verwendung von Hanf als Nutzpflanze ist jedoch sehr viel älter: Früher nutzte man die robusten Fasern zur Herstellung von Seilen. Außerdem verfügt die Hanfpflanze über weitaus mehr Inhaltsstoffe als nur über das berauschende THC. Das Hanföl ist bspw. eine gesunde und hochwertige Beigabe zu Salaten. CBD-Öl beruhigt die Nerven und fördert einen gesunden Schlaf. Dennoch verbinden die meisten Menschen mit dem Pflanzennamen in erster Linie Marihuana und Haschisch. Die bevorstehende Legalisierung von Cannabis rückt die bemerkenswerte Pflanze weiter in den Fokus und macht sie vielleicht sogar gesellschaftsfähig.

Ein Trend mit langer Geschichte

CBD-haltige Produkte, aber auch Autoflower Cannabis Samen erleben derzeit einen regelrechten Boom. Die selbstblühenden Cannabispflanzen versprechen erstklassige Erträge und blühen das ganze Jahr über von selbst weiter. Zwischen Aussaat und Ernte liegen oft nur knapp neun Wochen. Nur die wenigsten Cannabis-Fans wissen, dass schon die Menschen vor Tausenden von Jahren Hanf als Rauschmittel nutzten. Bekannt für ihren Konsum waren die Skythen, ein altes Reitervolk aus den Steppen Zentralasiens. Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete von ihnen. Er wunderte sich über ihre Sitte, Hanf auf glühende Steine zu werfen und den Qualm ähnlich einem Dampfbad zu genießen. Lange Zeit galt die Beschreibung des Griechen als der früheste Beleg für den Cannabis-Konsum. Nun machten aber Wissenschaftler eine noch viel bedeutendere Entdeckung: Im Pamir-Gebirge im Westen Chinas entdeckten die Forscher in einem Gräberbezirk die Überreste von Holzschüsseln und Steinen sowie Teile verbrannter Hanfpflanzen. Vermutlich erhitzte man die Steine und verbrannte darauf das Marihuana, um die Begräbnisteilnehmer zu berauschen. In den Cannabisresten fanden die Wissenschaftler noch Spuren von THC, der psychedelischen Substanz im Marihuana. Der Fund stammt etwa aus der Zeit zwischen 790 und 520 vor der Zeitrechnung. Der THC-Gehalt war viel höher als bei der wilden Hanfpflanze, sodass man vermutet, dass Cannabis zu dieser Zeit extra für die Verwendung als Droge angebaut wurde. Bislang ging man davon aus, dass die Hanfpflanze in erster Linie für die Herstellung von Textilien und als Heilpflanze genutzt wurde.

Reise in ein anderes Bewusstsein

Vor allem Schamanen, aber auch andere Angehörige des Volkes nutzten Rauschdrogen zur Veränderung des Bewusstseins. In Mitteleuropa bediente man sich anderer Mittel. Dort sorgten z.B. Fliegenpilze für den gewünschten Rauschzustand. Auch bestimmte Rituale versetzten die Menschen in Trance. Heute noch beliebt ist z.B. das aus Indien stammende Tantra. Sicherlich wurde bei den Begräbnisritualen auch getanzt. Doch berauschende Substanzen spielten wohl in verschiedenen antiken Kulturen eine große Rolle. In einer Höhle nahe der israelischen Stadt Haifa entdeckten Wissenschaftler drei Kammern. Diese befinden sich nahe einer Nekropole. Es stellte sich heraus, dass dort die Menschen bereits vor rund 14 000 Jahren Getreide fermentierten. Man erzeugte so ein alkoholisches Getränk. Sensationsfunde dieser Art gab es zwar im Karlsruher Raum noch nicht, dennoch kommt auch hier immer wieder Interessantes zutage. In Bruchsal fand man z.B. beim Abriss eines Parkplatzes den wohl ältesten Bewohner der Stadt.

Fazit: Marihuana ist keine Droge der Neuzeit. Schon vor mehreren Tausend Jahren konsumierten die Menschen Cannabis. Die angestrebte Legalisierung dieser Droge folgt somit einer langen Tradition.

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