Glücksspielstaatsvertrag – Unfaire Vorteile für Online-Anbieter? 

Wissen & Buch // Artikel vom 03.08.2022

Seit einigen Jahren hat es jedoch mit starker Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag von 2021 ist der Druck noch einmal größer geworden. Einige Beobachter sind der Ansicht, dass Online-Casinos durch das Gesetz unfaire Vorteile erhalten. Was spricht dafür – und was dagegen?

Keine Begrenzung der Anbieterzahl

Die Zahl der Spielbanken in Deutschland stagniert seit Jahrzehnten. Und in vielen Städten wurde die Anzahl der Spielhallen in den vergangenen Jahren reduziert. Für die deutsche Automatenwirtschaft kam es daher als große Überraschung, dass es keine Obergrenze für die Anzahl der Online-Casinos gibt. So entsteht ein erhebliches Ungleichgewicht bei der Kapazität. In einer durchschnittlichen Spielothek können sich zehn bis 15 Spieler gleichzeitig aufhalten. Und eine Spielbank mittlerer Größe kann 50 bis 100 Gäste gleichzeitig unterhalten. Für Online-Casinos ist es hingegen kein Problem, gleichzeitig Tausende oder sogar Zehntausende Nutzer auf ihrer Seite zu bedienen. Lediglich die Kapazität der Server begrenzt die Anzahl der Spieler, und die lässt sich bei Bedarf nahezu endlos erweitern.

Werbung mit Boni bleibt erlaubt

Spielbankbetreiber beklagen schon seit langem, wie Online-Casinos reißerische Werbung mit Bonusangeboten machen. Aufgrund der hohen Betriebskosten wird den Spielern im Offline-Geschäft nichts geschenkt, im Gegenteil: Viele Spielbanken müssen sogar eine Eintrittsgebühr erheben. Im Gegensatz dazu versprechen Online Plattformen nicht selten einen 150% Casino Bonus auf die erste Einzahlung. Mit solchen Angeboten gewinnen sie massenweise neue Nutzer, größtenteils auf Kosten der Offline-Konkurrenz. Ein Verbot solcher Werbeaktionen hätte die Ausgangsbedingungen des Wettbewerbs deutlich verändert und für Chancengleichheit zwischen Online- und Offlinegeschäft gesorgt. Das erachtete die Ministerpräsidentenkonferenz aber offensichtlich nicht als notwendig. Sie beschränkte lediglich die Uhrzeiten, zu denen Glücksspielwerbung ausgestrahlt werden darf, machte aber keine Vorgaben zu den Inhalten.

Begrenzte Spielauswahl im Internet

Allerdings wurden die Interessen der traditionellen Spielbanken nicht völlig ignoriert. Auf Zustimmung stoßen dort vor allem die Bestimmungen zur Spielauswahl im neuen Glücksspielstaatsvertrag. Denn dort ist festgeschrieben, dass Online-Casinos sich auf Automatenspiele zu beschränken haben. Sie können den Spielbanken also keine Konkurrenz mehr bei Roulette, Blackjack oder Baccarat machen. Das betrifft sowohl elektronische Varianten dieser Spiele als auch sogenannte Livecasinospiele, die per Videostream übertragen werden. Auch Jackpot-Automatenspiele sind im Internet verboten und bleiben den Spielbanken vorbehalten. Das gibt ihnen zumindest die Möglichkeit, sich gegenüber den Online-Angeboten abzuheben. Spielotheken profitieren von dieser Regelung allerdings nicht.

Neue Steuer auf Online-Einsätze

Für Erleichterung sorgte bei Spielbankbetreibern auch die Steuer auf Online-Einsätze, die Mitte 2021 eingeführt wurde. Sie fällt deutlich höher aus als im Offlinegeschäft und bietet daher einen weiteren Vorteil für die traditionellen Vertreter der Branche. Fünf Prozent des Einsatzes gehen bei jeder Wette an den Fiskus. Bei Spielbanken dient hingegen der Bruttospielertrag als Bemessungsgrundlage für die Steuer. Es werden also nur die Gewinne des Casinos besteuert, was die Spieler entlastet. In der Folge dieser Steuerreform mussten viele Online-Casinos ihre Auszahlungsquoten senken, wodurch sie deutlich an Attraktivität einbüßten.

Nicht alle Punkte des neuen Glücksspielstaatsvertrag stoßen bei herkömmlichen Glücksspielbetreibern auf Zustimmung. Trotzdem beinhaltet er genügend Maßnahmen, um auch die Interessen der Offlinewirtschaft zu berücksichtigen. Insbesondere auf dem Gebiet der Spielauswahl und der Besteuerung sorgt er für einen Ausgleich. Trotz einiger Schwächen stellt die Reform also einen zufriedenstellenden Kompromiss dar.

Das Casino in Baden-Baden ist eine wichtige Säule für den Kulturbetrieb und den Tourismus in der Region.

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