Ist Cannabisanbau eine Kunstform?

Wissen & Buch // Artikel vom 20.08.2020

Die Liebhaber von Cannabis geben sich gerne poetisch.

Musiker haben schon so manche Ode an ihre grüne Muse geschrieben und deren Vorzüge in den höchsten Tönen gelobt. Aber auch die Züchter von Cannabis erheben künstlerischen Anspruch. Sie sehen ihre Tätigkeit nicht als eine banale Form der Optimierung oder eine rein finanzielle Angelegenheit. So mancher Grower kann stundenlang darüber reden, dass es mit Wissenschaft alleine beim Hanfanbau nicht getan ist. Um die besten Resultate zu erzielen, muss Herzblut einfließen. Ähnlich wie bei einem guten Wein kann der Verbraucher spüren, wenn der Erzeuger seiner Blüten mit Liebe bei der Sache war. Aber auch in vielen anderen Bereichen gilt, dass eine Passion für die eigene Tätigkeit zu besseren Ergebnissen spricht. Ist es wirklich gerechtfertigt, gleich von Kunst zu sprechen, nur weil Cannabiszüchter ihrem Beruf mit Liebe nachgehen?

Cannabis-Grower sind kreativ

Beim Anbau von Cannabis ist es nicht damit getan, ein paar Samen in die Erde zu werfen und sie gelegentlich zu gießen. Eine vollständige Anbauanleitung für Cannabis könnte gleich mehrere Bücher füllen. Cannabis-Grower haben sich eine schier unglaubliche Vielfalt an Methoden einfallen lassen, damit ihre Pflanzen größere Erträge abwerfen, schönere Blüten bilden und ein besseres Aroma haben. Einige dieser Methoden beruhen auf wissenschaftlichen Experimenten, andere sind dem Bauchgefühl der Grower entsprungen. Und wieder andere sind wohl einfach durch den Zufall entstanden. So zum Beispiel beim Fimming, einer Beschneidungstechnik, bei der die Haupttriebe der Pflanzen gestutzt werden. Die Hanfpflanze reagiert darauf mit einem zusätzlichen Wachstumsschub, bei dem weitere blütenbeladene Triebe entstehen. Schon vor dem Aussähen bis zum Tag der Ernte wenden Züchter solche Kunstgriffe an, damit ihr Werk zum Schluss genau ihren Vorstellungen entspricht. Das hört sich in gewisser Weise tatsächlich nach Kunst an.

Kommerzielle Aspekte

Zynisch veranlagte Zeitgenossen werden jetzt einwenden, dass die Motivation für die meisten Cannabiszüchter eher finanzieller Natur ist. Sie hegen gewisse Zweifel, ob für Grower den Hanfanbau wirklich eine künstlerische Ausdrucksform darstellt. Und so ganz lässt sich dieser Vorwurf nicht von der Hand weisen. Auch wenn es sein kann, dass in Hochburgen der Cannabiskultur wie Kalifornien Züchter allein aus Liebe zu den Pflanzen am Werk sind, gibt es wohl auch viele Züchter, denen es mehr auf die Rentabilität ihres Produktes ankommt als auf die perfekte Blüte. Ebenso wie in anderen Bereichen wird auch Cannabis teilweise als Massenprodukt angebaut. In so einem Fall sieht die Bewertung natürlich völlig anders aus.

Die persönliche Note

In einem Interview mit der US-amerikanischen Cannabis-Magazin „Leafly“ verrät der preisgekrönte Cannabiszüchter Exotic Genetix, warum der Cannabisanbau für ihn Kunst ist. Unter den unzähligen Sorten, die teils von Züchtern kreiert wurden, teils natürlich entstanden sind, ist es unmöglich zu sagen, welche nun die beste ist. Jeder einzelne Züchter hat seinen eigenen, besonderen Stil. Und dieser Stil sagt manchen Menschen mehr zu als anderen. Wichtig sei, dass Züchter etwas ganz persönliches schaffen und nicht einfach die Kreationen fremder Züchter mischen und als neu verkaufen. In seinen Augen gibt es keinen Zweifel, dass die Kultivation von Cannabis eine Kunstform sein kann. Das mag sich nicht jedem erschließen – aber es gibt eine eingeschworene Gemeinde, die diese Überzeugung teilt.

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