Lotto im Wandel der Zeit: Vom Kiosk zum Online-Angebot

Wissen & Buch // Artikel vom 17.09.2019

Abb.: de.statista.com

Verwendet die ältere Generation den Begriff des Glücksspiels, dann ist meist von Lotto die Rede.

Diese Form des Zockens ist den meisten altbekannt, obgleich sie mit den Jahren deutlich ihr Gesicht gewandelt hat. An die Anfänge des Lottospiels oder gar woher die Begrifflichkeit stammt, daran erinnert sich heute kaum mehr ein Lotto-Spieler, was sich im Übrigen nach diesem Artikel ändern könnte.

Was jedoch auffällt, ist der unterschiedliche Zugang zum Lottoschein. Nur noch vereinzelt findet man den Hinweis darauf, dass sich hinter der Tür zum Kiosk eine Lotto-Annahmestelle verbirgt. In der Lessingstraße, in der Ludwig-Wilhelm-Straße und im Durlach Center in Karlsruhe gibt es noch drei Lottoannahmestellen, die ihren Umsatz jedoch vermutlich mit Tabakwaren und Presseerzeugnissen bestreiten dürften. Hier und da geht – samt Fernsehzeitung oder der Schachtel Zigaretten – dann auch ein Lottoschein über den Ladentisch, allerdings landet dieser vornehmlich in der Geldbörse der älteren Lotto-Generation. Wo die jüngere Generation ihr Lotto-Glück versucht, zeigt dieser Blick in die Historie des Lottospiels.

Die „neuen“ Lotto-Spieler gehen online

Der Online-Trend macht auch vor der Lotto-Branche nicht halt. Nachdem einst die Möglichkeit geschaffen wurde, den klassischen Lottozettel bzw. die selbst erwählten Glückszahlen online abzugeben, verlagert sich heute das komplette Online-Lotto-Geschäft zusehends ins Internet. Aus einem Anbieter sind viele geworden, die beispielsweise unter www.lottodoktor.de vorgestellt und verglichen werden. Vergleichsplattformen wie diese ersetzen den Austausch im Lottoladen und ermöglichen den Lottospielern sich selbst ein Bild über die Spieloptionen zu machen.

Die Folge: Das Stadtleben verändert sich. Neue Angebote (vor allem nachhaltiger Natur) erobern die Veranstaltungskalender und locken die Menschen in die Städte – auch ohne, dass der Gang zum Lottoladen weiterhin als Pflicht angesehen wird.

Der Begriff „Lotto“ wurde einst von einem Philosophen geprägt

Die Frage danach, wer einst den Begriff „Lotto“ geprägt haben soll, wäre sicherlich ideal für eine Quizshow, denn kaum einer weiß, dass Samuel von Pufendorf, seines Zeichens Philosoph, einst den Begriff geprägt haben soll. Im Jahr 1665 bezeichnete er mit diesen fünf Buchstaben ein Mittel zur Gewinnerzielung. Dass bereits damals um Geld gespielt wurde, war Grundvoraussetzung, auch wenn der Zettel, der aus dem Gefäß gezogen wurde, wahrlich noch die Anfänge des Glücksspiels darstellte. Erfunden wurde das eigentliche Lottospiel, dessen ursprünglicher Name nicht überliefert wurde, allerdings bereits viel früher: Benedetto Gentile aus Genua begründete einst das Spiel „5 aus 90“, was sehr nah am heutigen „6 aus 49“ ist. Bereits zur Zeit von Benedetto Gentile (er lebte und spielte im 15. Jahrhundert) fand das Spiel viele Anhänger, weil es leicht verständlich und zugänglich war und dennoch Gewinnchancen offerierte.

Bereits zu dieser Anfangszeit der Lotterie witterte die Regierung (damals waren noch Herrscher an der Macht und keine Bundesabgeordneten) Geld und ließen sich die Rechte sichern. Seit dieser Zeit ist das Lotteriegeschäft in staatlicher Hand; Privatpersonen können lediglich Konzessionen erhalten. Die gefühlte Ur-Deutsche-Spielvariante „6 aus 49“ wurde übrigens erstmals in England gespielt – und zwar im Jahr 1569. Damals sollte der Gewinn des Spiels, das vor der Saint Pauls Kathedrale in London ausgetragen wurde, für den Bau von Häfen und Brücken dienen.

Der deutsche Klassiker birgt mehr Gewinnoptionen

Spannenderweise ist der Klassiker, die Spielvariante „6 aus 49“, gerade in Deutschland mit einer deutlich höheren Gewinnchance belegt als in anderen Ländern. Die Chance auf einen Gewinn liegt hierzulande bei 1 zu 139 Millionen. Glückliche Gewinner wie der Karlsruher, der im Februar 2018 7,4 Millionen Euro gewann (vgl. www.ka-news.de), gibt es hierzulande deutlich öfter als in anderen Ländern.

Unter de.statista.com heißt es zudem: 38 Millionen Euro – das ist die Rekordsumme, die seit der ersten Ziehung im Jahr 1955 eine Einzelperson in Deutschland beim Lotto 6 aus 49 gewonnen hat. Die Gewinnsumme wurde am Samstag den 7. Oktober 2006 von einem Spieler aus Nordrhein-Westfalen erreicht. Unter den Top 10 der höchsten Gewinne in der Lotto-Historie befindet sich auch einer aus dem Jahr 2019 – am 29. Juni kam es zu einer Zwangsausschüttung, nachdem 13 Mal in Folge der Jackpot plus Superzahl nicht geknackt wurde, in deren Folge sich ein Spieler über rund 31,5 Millionen Euro freuen konnte.“

Zum Vergleich:

  • In den USA können sich die Lottospieler nur dann über einen Jackpot freuen, wenn sie 5 aus 49 richtig getippt haben.
  • In Italien haben nur diejenige die Chance auf einen Gewinn, die 6 aus 90 richtig ziehen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die erste Ziehung in Deutschland im Jahr 1955 stattgefunden hat. Knapp 20 Jahre später wechselte der Tag der Lottoziehung vom Sonntag auf den Samstag. Rein statistisch betrachtet ist das Lottospiel sehr beliebt; fast jeder Zweite spielt in Deutschland Lotto oder hat sein Glück zumindest bereits mit einem Lottoschein versucht.

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