Warum Kryptowährungen nicht so anonym sind, wie viele glauben

Wissen & Buch // Artikel vom 18.02.2022

Kryptowährungen wurden erschaffen, damit man anonym und weitab vom Zugriff eines staatlichen Organs ohne Einschränkungen Steuern und Abgaben in der Lage ist, Eigentum zu übertragen.

Dabei soll vor allem dafür gesorgt sein, dass man als Person A einer Person B ein Eigentum übertragen kann, ohne dass sich ein Finanzamt einmischt, eine Bank Gebühren haben möchte, ein Staat einmischt, der Steuern für die Übertragung von Werten zwischen zwei Ländern haben will, und und und. Kryptowährungen sollen einfach, schnell und vor allem anonym sein, doch das entspricht in den wenigsten Fällen der Realität. Vielmehr sind Kryptowährungen ein offenes Buch, vor allem dank der Blockchain-Technologie kann prinzipiell fast jeder Geldbewegungen nachverfolgen. Mit Internetdiensten wie Etherscan.io kann man schnell und einfach einsehen, was gerade im Ethereum-Netzwerk passiert. Hier kann man zum jetzigen Zeitpunkt z.B. einsehen, das auf der NFT-Plattform Opensea gerade jemand ein Adidas-Original-NFT für 4.004 Dollar gekauft hat und derjenige eine Transaktionsgebühr von 110 Dollar in Kauf genommen hat. Käufer- und Verkäuferadresse sind dabei öffentlich einsehbar.

Nun kann diese Adressen natürlich niemand zuordnen und keiner weiß, wer sich hinter einer 42-stelligen Zeichenfolge verbirgt – aber kann das wirklich so anonym sein? Die Antwort ist nein, denn die Anforderungen an eine wirklich anonyme Zahlung wären ein bisschen höher, als man gemeinhin denkt. Grundsätzlich hinterlassen wir nämlich alle unsere Spuren im Internet, so auch bei Krypto-Transaktionen. Wir können schon recht anonym bleiben und kaufen unsere Kryptowährungen bei einem Händler außerhalb der EU, der kein direktes „Know Your Customer“-Verfahren durchführt. Am besten noch gleich über eine Handy-App, bei der wir mit einer Paysafe-Karte einzahlen.

An dieser Stelle stellt sich natürlich die Frage, wie seriös ein Händler sein kann, der so etwas zulässt, aber nicht jeder kann als Handelsempfehlung herhalten. Zuverlässige Händler (hier klicken) werden nahezu immer irgendwelche Daten von ihren Käufern verlangen und letztlich ist der Kauf über ein Mobiltelefon getätigt worden, das im Endeffekt mittels eindeutiger IMEI-Kennung sofort einem Vertragspartner zugeordnet werden kann.

Das sind zwar keine Daten, an die Otto-Normal-Hacker in der Ausbildung als White Hat sofort rankommen kann, aber gehen wir einmal davon aus, dass es Stellen gibt, bei denen das wesentlich einfacher möglich ist. Sobald wir unsere Bitcoin oder unser Ethereum bei einem Händler in der EU kaufen, müssen wir sowieso Ausweisdokumente vorlegen und selbst dann sind wir i.d.R. noch an Einschränkungen gebunden, bis wir unsere Identität eindeutig nachgewiesen haben. Ziehen wir nun unsere Kryptos aus dem System dem Händlers, erfährt dieser auch die Adresse an die das Geld geflossen ist. Darüber lässt sich der Fluss des Geldes leicht nachverfolgen und die Adressen zuordnen.

Die Seite Netzpolitik.org hat sich dem Thema auch schon angenommen und zeigt zusammen mit einem Forensikexperten, wie leicht solche Transaktionen verfolgt werden können. Doch was kann man machen, um sicherzustellen, dass solche Daten nicht einfach öffentlich herumliegen und nachverfolgbar sind? Das kann über verschiedene Wege etwas sicherer gemacht werden: Zum einen, indem man eine andere Währung nimmt. Sogenannte Coin-Join-Systeme sind z.B. Systeme, bei denen sich ein Pool von Menschen zusammentut und ihr gesamtes Geld zur Verfügung stellt, um Transaktionen auszulösen. Je größer dieser Menschenpool ist, umso schwerer wird die Nachverfolgung. Dabei werden Geldeingang und Geldausgang strikt voneinander getrennt.

Somit ist für den jeweiligen Block zwar nachvollziehbar, wer Geld eingezahlt hat und wer Geld ausgezahlt bekommen hat, doch was innerhalb dieser Zeitspanne passiert ist, ist nicht nachvollziehbar. Damit ist zwar erkennbar, wer vorher mehr und später weniger hatte, aber nicht wer mit wen, in welcher Form gehandelt hat und welche Gelder von wo nach wo geflossen sind. Alternativ kann man bei Bitcoin und ähnlichen öffentlichen Systemen auch ein Paper Wallet nutzen. Dieses ausdrucken, mit dem gewünschten Betrag versehen und analog verschicken. Auch das ist durchaus eine Möglichkeit, mehr Sicherheit und Anonymität ins Spiel zu bringen, aber letztlich ist alles was digital ist, nie 100-prozentig sicher.

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