Warum wurde die Deutsche Nationalmannschaft in „Die Mannschaft“ umbenannt?

Wissen & Buch // Artikel vom 31.08.2019

Deutsche Nationalmannschaft

Seit einigen Jahren trägt die Deutsche Nationalelf den Titel „Die Mannschaft“.

Wie es zu diesem Namen kam und welche Gründe es für die Benennung gab, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Sind fehlender Einfallsreichtum und Kreativität für den besonderen Namen verantwortlich?

In anderen Ländern geben die Verbände ihren Mannschaften besonders starke und mutmachende Spitznamen. So heißt die nigerianische Nationalmannschaft „Die Super-Adler“ und in Japan nennt man die Nationalspieler „Die blauen Samurai“. Dagegen klingt „Die Mannschaft“ fast schon lächerlich. Die Marketingabteilung des deutschen Fußballbunds beschloss im Jahr 2015, dem Team einen neuen Namen zu geben. Mit „Die Mannschaft“ ernteten sie ziemlich viel Spot. Wer hätte auch gedacht, dass ein so einfallsreicher und kreativer Spitzname für eine Nationalmannschaft so schlecht ankommen würde? Keiner konnte sich einen genauen Reim darauf machen, warum die Marketingabteilung sich für diesen Namen entschied. Klar, es gab große Schlagzeilen und die deutsche National-Elf war für einige Zeit wieder in aller Munde, trotzdem waren es mehr empörte und negative Kommentare anstatt positiver Aufmerksamkeit, die der DFB zu spüren bekam. Der Markenname soll die Fußballmannschaft vereinen, kommen die Spieler doch aus verschiedenen Bundesländern und besitzen teilweise sogar verschiedene Nationalitäten. Falls es Sie interessiert, können Sie im Übrigen auf dieser Seite, die Herkunft der Nationalspieler aus Deutschland nach Bundesland und Spielstatistik nachforschen.

Eine Studie soll es richten

Natürlich wollte der Deutsche Fußballbund die vielen lauten negativen Stimmen nicht einfach ignorieren, sondern antwortete ziemlich schnell und direkt mit einer umfangreichen Untersuchung. Der DFB gab eine Studie in Auftrag, um zu testen, ob der neue Name wirklich so schlecht bei der breiten Masse ankommt oder ob es sich lohnt, den neuen Namen für die Deutsche Nationalmannschaft beizubehalten. Laut dem DFB-Nationalmannschaftsdirektor lieferte die umfangreiche Untersuchung allerdings deutliche Hinweise dafür, dass der Name „Die Mannschaft“ sehr wohl gut ankommt, also hält man weiter daran fest – selbst dann, wenn Kritiken aus den eigenen Reihen kommen.

Woher kommt der Name „Die Mannschaft“ ursprünglich?

PR- und Teammanager Oliver Bierhoff stellte vor über drei Jahren das neue Logo „Die Mannschaft“ vor und sagte im gleichen Moment „Bei der WM in Brasilien ist auch international diese Mannschaft im Besonderen wahrgenommen worden. Die Verbindung, die Identifikation ist da. Das haben wir aufgenommen.“ In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen der WM in Brasilien und diesem Titel. Als Angela Merkel in Rio die Kabine betrat, um den Sieg der Weltmeisterschaft mitzufeiern, nannte Sie die Spieler „die Mannschaft“. Hier gibt es Gerüchte, dass der Name das erste Mal von Merkel so deutlich ausgesprochen wurde und die Marketingabteilung des DFB deshalb diesen Spitznamen übernommen hatte. Es gibt aber noch weitere Theorien, woher der Name den nun überhaupt kommt. Angeblich soll „Die Mannschaft“ in einem Zitat von Steven Gerrard vorgekommen sein. Die englische Fußballlegende twitterte diesen Begriff angeblich nach dem 7:1-Sieg gegen Brasilien. Andere behaupten, dass der Spitzname „Die Mannschaft“ aus dem „The Anfield Chat“ stamm, auch hier handelt es sich um ein Twitter-Profil, allerdings sendet dieses viele Fußballnachrichten in erster Linie für den englischen Kultklub FC Liverpool.

Warum der Name so langsam nervt und immer mehr Leute die Abschaffung einfordern

„Die Mannschaft“ ist in erster Linie eine Marke geworden, um mehr Geld in die Kassen des DFB zu spielen. Allerdings steht der Name seit geraumer Zeit auf den Prüfstand. Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel deutete mehrmals an, dass die Marke „Die Mannschaft“ von vielen Leuten als „zu künstlich“ empfunden werde und dass immer Stimmen laut würden, die ihre Empörung bezüglich des Markennamens kundtun. Laut Oliver Bierhoff ist dieser Name ideal und passt zu der National-Elf perfekt. Die ganze Welt sollte die deutsche Fußballmannschaft schließlich als eine erfolgreiche Marke kennenlernen, genauso wie das bei anderen Marken andere Länder auch der Fall ist. Was das Marketing angeht, entsteht der Eindruck, dass der DFB hier einfach nur kopieren möchte. Am Ende zählt die sportliche Leistung und nicht ein langweiliger Markenname, wie erfolgreich sich die Mannschaft schlagen wird. Kritik gab es an dem Namen schon immer, wenn die Nationalspieler jetzt auch noch eine schlechte Leistung abliefern sollten, werden alte Probleme wieder besonders stark in den Vordergrund treten. Genau dann wird es auch wieder mehr Kritik bezüglich des besonders kreativen Spitznamens „Die Mannschaft“ geben.

Für was steht „Die Mannschaft“ überhaupt?

In erster Linie soll der Markenname „Die Mannschaft“ für das Miteinander, Füreinander und den Zusammenhalt stehen. Besonders der Kontakt zwischen den Nationalspielern und den Fans soll ausgebaut werden. Allerdings trügt der Schein. Besonders was den Zusammenhalt betrifft, gibt es anscheinend Probleme zu geben, denn beim DFB ist man sich nicht mehr einig, ob der Name „Die Mannschaft“ noch zeitgemäß ist. Der Marketing-Experte Gerd Nufer stellte folgendes fest: „Wenn sich der DFB von seinen Fans entfremdet, was meiner Einschätzung nach der wahre Kern des Problems ist, bedarf es tatsächlich eines Relaunches. Denn Fans sind keine Kunden. Sie wollen involviert werden und mitgestalten – und keine Kampagnen übergestülpt bekommen.” Und mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da. Immer mehr Stimmen werden besonders aus den eigenen Reihen laut und stellen fest, dass der Name irgendwie nicht so richtig passt.

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