Wie man Hörbuchsprecher wird

Wissen & Buch // Artikel vom 19.05.2017

Eine schöne Stimme reicht nicht aus.

Um ein professioneller und auch guter Hörbuchsprecher zu werden, bedarf es jeder Menge Arbeit, Übung, Durchhaltevermögen - und vielleicht auch ein klein wenig Talent. Zunächst einmal gibt es keine klassische Ausbildung zum Sprecher, wie man sie aus Betrieben gewohnt ist, stattdessen führen unterschiedliche Wege zum Hörbuchsprecher. Zumeist haben potenzielle Sprecher einen Hochschulabschluss vorzuweisen, der im Bereich Kommunikation, Literatur, Kultur oder Medien angesiedelt ist. Wer bereits schon früh merkt, dass ihm das Sprechen liegt, ist gut beraten, diverse Praktika, zum Beispiel beim Radio zu absolvieren, um die eigene Stimme zu testen.

Viele Hörbuchsprecher sind nicht nur in diesem Feld aktiv, sondern arbeiten unter anderem auch als Synchronsprecher für Filme, bieten ihre Stimme bei Computerspielen oder für die Werbung an. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Synchronsprecher Reinhard Kuhnert. Neben seiner Sprechrolle in den „Game Of Thrones“-Hörbüchern ist er unter anderem auch Autor von Romanen und Kinderbüchern. Im Allgemeinen sind die Sprecher Freiberufler, die von unterschiedlichen Arbeitgebern oder Agenturen gebucht werden, um einzelne Aufträge abzuarbeiten. Der Sprecher ist somit auf selbständiger Basis tätig und muss sich dementsprechend beim Finanzamt (in der Regel als Kleinunternehmer) anmelden. Eine Krankenversicherung erfolgt zumeist über die Künstlersozialkasse (KSK), die den Part des Arbeitgebers übernimmt, der Sprecher somit einen kleinen Teil der Krankenkasse bezahlt.

Die Ausbildung zum Sprecher

Um nun die richtige Technik des Sprechens zu erlernen, sollte man einen Sprechkurs in Erwägung ziehen. Medienschulen, die diese Kurse anbieten, sind in ganz Deutschland verteilt. Die bekanntesten sind die deutsche Pop Akademie, die Medienakademie und die Medienakademie von ARD/ZDF. Die Kosten für die Aus- bzw. Weiterbildung trägt der jeweilige Absolvent in der Regel selbst. So bietet die deutsche Pop Akademie Ausbildungen im Bereich „Acting, Voice and Communication“ an, etwa zum Moderator oder Synchronsprecher. Besondere Schwerpunkte werden in den Bereichen Tonalität, Betonung, Stimmfarbe, aber auch Sprechen und Stimmschauspiel, Hörspielproduktion und Emotional Acting gelegt. Daneben werden auch Grundlagen der Studiotechnik und das praktische Arbeiten mit dem Mikrofon geübt und vertieft. Die Ausbildung dauert (hier bei der Pop Akademie) unterschiedlich, je ein Kurs dauert ein Halbjahr, die Kurse bauen zum Teil aufeinander auf. Die Kosten für die Ausbildung werden monatlich oder per Semester bezahlt. Der Abschluss wird dann mit dem Titel Diploma Synchronsprecher vergeben.

Stimmagenturen

Ein erworbenes Diplom zum Synchronsprecher oder Sprecher bringt den Bewerber jedoch nicht automatisch in die Hörspielbranche. Stattdessen muss er zunächst viel Übung und Geduld beweisen, da das Hörbuchsprechen mit als die Königsdisziplin beim Sprechen gilt. Es wird daher empfohlen, sich bei einer Stimm- oder Sprechagentur zu bewerben. Diese Sprechagenturen sammeln sozusagen Sprecher in ihren Dateien, sucht ein Unternehmen dann zum Beispiel einen Sprecher für einen Werbespot, hat das Unternehmen die Qual der Wahl, sich für einen Sprecher zu entscheiden. Dies gilt natürlich auch für Hörbuchverlage oder Produktionen, die ihre Sprecher auf diese Art suchen.

Unterschiedliche Verdienstmöglichkeiten

Je nach Qualität und Job verdient ein Sprecher unterschiedlich viel. Besonders erfolgreiche Sprecher können bis zu 1.000 Euro am Tag nach Hause nehmen - je nach Produktion steht ein Sprecher bis zu acht Stunden in der Sprecherkabine. Denn selbstverständlich funktionieren Aufnahmen nicht auf Anhieb beim ersten Mal perfekt, sondern müssen mitunter etliche Male wiederholt werden.

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