Johannes Hucke, Autor & Sozialarbeiter

Porträt
Johannes Hucke

Sein Lebensmotto ist „Genuss und Solidarität“. Johannes Hucke ist dafür zwischen Karlsruhe, Ludwigshafen und Frankfurt viel unterwegs, ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Zug. „Was ich an Karlsruhe schätze: Da kommt man so gut weg“, sagt er und schwärmt von den vielen Orten der Umgebung. Schon früh entdeckte Hucke das Schreiben für sich; seit zwei Jahren auch regelmäßig mit einer eigenen INKA-Kolumne: „Biss zur letzten Rübe – der reinste Genuss“.

„Mit der Schreiberei hat alles angefangen“, erinnert er sich noch, als die Oma seine ersten Schreibversuche als Kind mit in die Kirche nahm, in der Ev. Frauenhilfe vorlas und von der sehr positiven Resonanz berichtet. Inzwischen hat er es auf 36 Bücher gebracht: Weinlesebücher, Kulinarisches, Krimis, Romane, Lyrik und Kinderbücher. „Die 1970er Jahre in Frankfurt waren sehr rau. Als hochsensibler Mensch hat mich das sehr mitgenommen.“ Etwas anderes, etwas Schönes aufzubauen oder aufzuschreiben, wurde schnell zum Antrieb von Hucke. „Später hätte ich das politischer als Aufbau von Gegenmacht verstanden.“ Es hätte Zeit gebraucht, bis er lernte: „Genuss muss nichts Unethisches sein.“

Doch schon an Frankfurt schätzte Hucke den „Aufprall von Gegensätzen“, die ihn auch beruflich begleiten. In Ludwigshafen arbeitet er als Sozialpädagoge und Gemeinwesenarbeiter in den Brennpunkten der Stadt. „Ludwigshafen habe ich aus ästhetischen Gründen ausgesucht“, sagt Hucke und lacht: „Wenn schon soziale Arbeit, dann in einer hässlichen Stadt!“ Mit „Street Doc“ entwickelte er ein Projekt zur Behandlung von Menschen, die keine ärztliche Versorgung haben und nun einmal die Woche im Stadtteil medizinisch untersucht werden können. „Ich bin schon in einige Löcher gefallen, die Arbeit nimmt einen sehr mit.“ Persönliche Schicksale kosteten viel Energie, aber es sei auch wichtig, etwas zu tun. „Es ist schlimm zu sehen, wie die Einkommensungleichheit zunimmt.“

Trotzdem findet Hucke auch hier Momente des Genusses: Zur Bewältigung der Arbeit zwinge er sich mit einem Kollegen mindestens einmal pro Woche essen zu gehen, die Klienten in Ludwigshafen versucht er zu Kochgruppen zu motivieren. „Essen und die Gespräche dabei können immer Genuss sein. Durch zwei Wandergruppen in Ludwigshafen lernet ich die Umgebung kennen, kannte mich schnell aus und fing an darüber zu schreiben.“ Sein erstes Buch entstand auf der Bahnfahrt zu Theaterproben nach Heidelberg. Durchs Fenster entdeckte er Weinreben und begann zu ihrer Geschichte zu recherchieren.

„Ich habe drei Jahre daran gearbeitet und Hunderte Gespräche geführt, die bis heute Stoff für meine Geschichten sind.“ Nach dem Kraichgau schrieb er über die Weinregionen Bergstraße, Südpfalz und Churfranken und in Heidelberg läuft seit über elf Jahren noch immer sein Theaterstück „Kellersequenz“, das eine Brudergeschichte während – natürlich – einer auch dem Publikum angebotenen Weinprobe erzählt. Für den Genuss braucht es derweil nicht immer nur kostbare Spezialitäten, ist Hucke überzeugt. „Während des Tippens eine Pause mit Handkäse und Musik – das mit Ruhe ist schon ein Genuss.“ -fk


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