9. Tempel-Tanzfestival

Bühne & Klassik // Artikel vom 01.11.2009

Über die Jahre hat sich das internationale Tanzfestival im Tempel ein hervorragendes Renommee erarbeitet und ist sowohl in der Breite als auch in der Tiefe gewachsen.

War zu Beginn noch eine deutliche Fokussierung auf Companys aus dem süddeutschen Raum zu spüren, schaut man seit geraumer Zeit auch erfolgreich über den Tellerrand hinaus. Auch 2009 geht es wieder Schlag auf Schlag: Zwischen dem 11. und 29.11. stehen nicht weniger als zwölf Veranstaltungen mit ungleich mehr Ensembles auf dem Plan.

Den Auftakt machen Olga Pericet, Daniel Doña und Marco Flores, die auch außerhalb ihrer Heimat Madrid als Stars des zeitgenössischen Flamencos gefeiert werden. Unter dem Namen Chanta la Mui sprengen sie die Ketten der Tradition und überführen den Tanzstil in die Moderne (Mi, 11.11., 20.30 Uhr). Die „Lange Nacht der kurzen Stücke“ hat sich vom Geheimtipp zum absoluten Publikumsmagneten entwickelt.

An zwei Abenden stellt sich die hiesige Tanzszene erneut mit zehn- bis 15-minütigen Stücken pro Ensemble vor. Wer einen guten Platz (oder überhaupt einen) ergattern möchte, sollte früh da sein (Fr, 13.11., und Sa, 14.11., jeweils 20 Uhr). Spannend wird es auch bei der Gala unter der künstlerischen Leitung von Marcelo Santos, bei der die diesjährigen Preisträger des Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festivals präsentiert werden. Dieses geht jedes Jahr in Stuttgart über die Bühne. Um die Jury- und Publikumspreise in den Kategorien „Choreografie“ und „Tanz“ abzuräumen, reicht eine gute Technik allein nicht aus. Gefordert werden ebenso eine individuelle Bewegungssprache und eine starke stilistische Handschrift (So, 15.11., 20.30 Uhr).

Geht es um Johannes Wieland, wird sogar die New York Times schwach. „Agile Tänzer, der clevere Einsatz von Video und sehr viele sexy, provokante und mysteriöse Vorgänge ... Wieland hat ein scharfes Auge und ein Pflichtgefühl gegenüber seiner Vision.“ Die Company des ehemaligen Solisten des Béjart Ballet Lausanne und der Berliner Staatsoper wurde 2002 in New York gegründet. 2008 wurde „Newyou“, ein Brückenschlag zwischen Tanz, Performance-Art und Videokunst, unter seiner Leitung uraufgeführt. Nun ist das Stück endlich auch in Karlsruhe zu sehen (Fr, 20.11., 20 Uhr).

Olaf Schmidt und das Ballett des Theater Regens­burg haben „Hundert Jahre Einsamkeit“ nach Motiven aus dem gleichnamigen Roman von Gabriel García Márquez umgesetzt: Einzelne Erzählstränge werden zur Musik von Heitor Villa-Lobos, Victor Jara und anderen miteinander verwoben, die Bewegungen unterschiedlichster Charaktere ergänzen sich, die Sprache ist bildhaft. Das zweite Stück des Abends ist „Kazu Kun“ von Alister Noblet. Es wagt sich an die Umsetzung eines ungewöhnlichen Themas: Noblets wohl persönlichste Choreografie widmet sich seinem behinderten Schwager (Sa, 21.11., 20 Uhr).

„Move The Music“ ist ein Tanz- und Musikprojekt für Jugendliche. Es wurdevor drei Jahren vom israelischen Tänzer und Choreografen Lior Lev und dem Dirigenten und Musikpädagogen Gereon Müller ini­tiiert. 2009 besteht die Gruppe aus vielen „alten Hasen“, die teils von Anfang an dabei waren und weiterhin Spaß an der Suche nach neuen Ausdrucksformen haben (So, 22.11., 16 und 19 Uhr).

Wann kann man hierzulande schon einmal zeitgenössischen persischen Tanz zu Live-Musik erleben? Es gilt also die Chance zu nutzen, wenn Banafsheh Sayyadas Choreografie „Into the Vast“, die orientalische und westliche Elemente miteinander vereint, im Tempel auf die Bühne kommt. Das Percussion-Ensemble Zarbang feat. Hakim Ludin, der als umtriebiger wie progressiver Jazz- und World-Perkussionist immer wieder für Begeisterung sorgt (u.a. 2007 bei der Konstantin-Wecker-Tour), liefert die passende Klangcollage (Do, 26.11. und Fr, 27.11., jeweils 20.30 Uhr).

Die Choreografin Nicki Liszta untersucht im Tanztheater „Zwischen Häuten“ das Beziehungsgeflecht dreier Menschen, die zwischen einverständlicher Ruhe und Eskalation bis in die Extreme hinein miteinander und nebeneinander agieren. Was nach schwerem Tobak klingt, kommt in seiner übersteigerten Formsprache glücklicherweise auch mit surrealem Witz und vielen originellen Ideen daher. Das Stück ist der Gewinner des Stuttgarter Theaterpreises 2008 (Sa, 28.11., 20 Uhr).

Zum Abschluss wird es noch einmal magisch: In „Voodoo Vibes. The Magic HipHop Dance Theatre“ verbinden der Künstler Poppin-Hood und Marco Marçal urbane Tanzkunst, Schauspiel, Video- und Klanginstallationen sowie Percussion zu einem ganz besonderen Spektakel (So, 29.11., 20 Uhr). Ob damit auch die Götter für das nächs­te Tanzfestival im Tempel gnädig gestimmt werden?

Alle Veranstaltungen finden in der statt – präsentiert von INKA. -er

11.-29.11., Kulturverein Tempel, Scenario Halle, Karlsruhe
www.kulturzentrum-tempel.de

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