Independent Days 13 Filmfest

Kino & Film // Artikel vom 11.04.2013

Input gleich Output?

Diese Rechnung geht bei der unabhängigen Filmemacherszene nicht auf. 111 Mal zählt das internationale Low- und No-Budget-Festival „Independent Days“ vom 24. bis 28.4. in der Schauburg nach. Unter Filmschaffenden ist das Karlsruher Filmfest zur 13. Auflage angesagter denn je: 561 Einreichungen aus 53 Ländern gingen bei Festivalleiter Dr. Oliver Langewitz und seinem ehrenamtlich arbeitenden Team ein. Ihre Auswahl gliedert sich in zehn Kurzfilmprogramme, fünf Langfilme und die beiden obligatorischen Publikumswettbewerbe. Das Opening (Mi, 24.4., 17 Uhr) gibt einen genreübergreifenden Eindruck der kommenden fünf Tage.

Low-Budget-Wettbewerb
„Different Worlds“ (Mi, 24.4., 19.15 Uhr), der erste von drei thematischen Low-Budget-Blöcken, taucht ein in fremde Welten zwischen Paralleldimension und Damenhandtasche. Der Folgeblock bringt „Unerwünschte Besucher“ (Do 25.4., 19.15 Uhr) wie Piraten, Nazis und andere Kameraden, „Dunkle Gedanken“ (Fr, 26.4., 19.15 Uhr) durchleuchtet die Abgründe des menschlichen Geistes. Insgesamt laufen 20 Kurzfilme um die Wette; der Publikumsfavorit gewinnt das Low-Budget-Finale (So, 28.4., 19 Uhr) und damit den 1.000 Euro schweren Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe.

No-Budget-Wettbewerb
So gut wie etatlos muss dagegen im ebenfalls dreigeteilten No-Budget-Wettbewerb etwas gerissen werden. Doch an den Personalkosten liegt es bestimmt nicht, dass die Filme des Blocks „Das Ding an sich...“ (Mi, 24.4., 21.30 Uhr) leblose Objekte wie Burger, Kaffeemaschinen oder den „iStone“ zu Protagonisten erklärt haben. Mit noch absurderen Begegnungen und Beziehungen beschäftigt sich „Strange Couples“ (Do, 25.4., 21.30 Uhr), während „Der Mensch und seine Medien“ (Fr, 26.4., 21.30 Uhr) unter anderem Zensur und Pressefreiheit auslotet. Wer von den 28 Kurzfilmen die höchste Quote der Zuschauer verbucht, bekommt im No-Budget-Wettbewerbsfinale (Sa, 27.4., 19 Uhr) den mit 500 Euro dotierten Filmpreis der Stadt Karlsruhe überreicht: die zum zweiten Mal vom Künstler Stefan Doldt gestaltete „Goldene ID“.

Freies Kurzfilmprogramm
Nicht jede Einreichung passt in das Kategoriensystem, mit dem die zu bewertenden Kurzfilmblöcke zusammengestellt werden. Über die Güte sagt das noch lange nichts und so laufen bei den „Independent Days“ traditionell auch thematisch sortierte Beiträge außer Konkurrenz. Weil beachtlich viele Bewerber in diesem Jahr aus Spanien kamen, hat ihnen die Festivaljury eine eigene Vorstellung spendiert: „Spanish Shorts“ (Sa, 27.4., 14.30 Uhr). Das Anderssein stellt „Fremde Welten – andere Kulturen“ (Do, 25.4., 15 Uhr) heraus; „Criminal Minds“ (Do, 25.4., 17 Uhr) verfolgt verbrecherische Absichten und sonstige kriminelle Handlungsmuster. Sichtbare und unsichtbare Störungen zeigt „Psychofreaks“ (Do, 25.4., 23.30 Uhr); wer lieber die rosarote Brille aufsetzt, guckt „Flirtfever“ (Fr, 26.4., 17 Uhr). Inmitten der Schmachtfetzen ertönt das vom Karlsruher Filmboard gedrehte Musikvideo „Days In Oblivion“ der Electro-Gruppe Lakobeil. Und was passiert, wenn die Verflossenen des Verlobten als Zombies auf der eigenen Hochzeit aufkreuzen oder in der Normandie plötzlich ein mutierter Wehrmachtssoldat im Marschweg steht? Diese und andere Antworten liefert „All You Need Is Trash“ (Sa, 27.4., 21.15 Uhr). Schön schaurig wird’s bei den „Scary Tales“ (Fr, 26.4., 23.30 Uhr); in „Spiel mir das Lied vom Tod“ (Sa, 27.4., 17 Uhr) und „Death Games“ (So, 28.4., 17 Uhr) geht es schwerpunktmäßig ums Ableben.

Langfilmprogramm
Der Kurzfilmblock „Death Games“ versteckt einen der fünf Langfilme des Festivalprogramms: Markus Messners giftigen Thriller „Zeichen der Schwäche“ (So, 28.4., 17.15 Uhr, www.harder-life-pictures.de). „Two Hundred Thousand Dirty“ (Mi, 24.4., 23.30 Uhr, www.200kdirty.com) von Timothy L. Anderson ist eine schwarzhumorige Independent-Komödie über einen mörderischen Matratzenlagerangestellten; das Arbeiten als solches hinterfragt die in Kooperation mit dem Roncalli-Forum präsentierte Kinovorpremiere des Dokumentarspielfilms „Frohes Schaffen“ (So, 28.4., 15 Uhr, www.frohesschaffen.wfilm.de) von Konstantin Faigle. Kapel Furman erzählt in seinem brasilianischen Western „Polvora Negra“ (Sa, 27.4., 23.30 Uhr) vom schießwütigen Wiedergänger Castilho Paredes, und auch in Alex Weimers „Fremdkörper“ (Fr, 26.4., 15 Uhr, www.moviebrats.com/fremdkoerper) kehrt einer zurück: Der Berliner Creative Director Lars versucht auf der Landflucht vor Job und Ehefrau, die unerfüllte Jugendliebe Claudia doch noch für ein Date zu gewinnen.

Filmfest-Party
Vor dem Finale am Sonntag feiern Filmemacher und Festivalbesucher im benachbarten Club Die Stadtmitte die große „ID-Filmparty“ (Sa, 27.4., 21 Uhr) zu Beats von Popklub International (Bowsey & Mr. Ripley) auf dem vorderen Floor und wuchtigen Electro-Sounds der Diskko Diggital (René Le Bon & Alex Wellington) im orangenen Saal. Bei Vorlage eines Festival-Tickets ist der Eintritt frei (das gilt übrigens ebenso fürs Party-Warm-Up am Vorabend). Komplettisten legen sich den Festivalpass für 50 Euro zu. Weniger exzessive Zuschauer greifen zur Fünfer-Karte, die Einzelvorführung kostet 7,50 Euro.

Crowdfunding-Workshop
Parallel zu den „Independent Days 13“ wird im Rahmen des Gründerkongresses „Kreativstart“ vom Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe ein kos­tenloser Crowdfunding-Workshop (Sa, 27.4., 10 Uhr, Existenzgründerzentrum Perfekt Futur, Alter Schlachthof) angeboten. Anmeldungen sind bis Fr, 19.4. per E-Mail an k3@kultur.karlsruhe.de möglich. Bestes Beispiel sind erstmalig die „Independent Days“ selbst: 3.000 Euro kamen von der Community über die Plattform Startnext zusammen. Für die finanziellen Unterstützer gab’s im Gegenzug ein materielles Dankeschön. Wer sich im Nachhinein noch zu seinem Filmfest bekennen möchte, schaut im frisch eröffneten Onlineshop vorbei. -pat

Mi-So, 24.-28.4., Schauburg, Karlsruhe
www.independentdays-filmfest.com

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