Was tut sich eigentlich... im Kohi?

Popkultur // Artikel vom 11.07.2013

Die Fragen stellte Friedemann Dupelius.

INKA: Euer „Vormieter“, die Sushi-Bar Kohi, hat nur ein knappes Jahr überlebt – warum gibt’s euch nach sechseinhalb Jahren immer noch?
Thilo Franz: Das hätte ich am Anfang auch nicht gedacht. Wir haben ja alles ehrenamtlich aufgebaut. Auch wenn immer wieder Leute gehen, gibt es kontinuierlich Nachschub – Leute, die den Laden für sich entdecken und mitmachen wollen. Jeder bringt neue Ideen mit. Das geht durch alle Altersklassen.

INKA: Das Kohi bekommt ja ab jetzt 15.000 Euro pro Jahr von der Stadt. Wie ist das aufgenommen worden und was macht ihr damit?
Franz: Das war hier ein sehr heiß diskutiertes Thema. Wir haben diese Förderung beantragt, weil ein Schritt der Professionalisierung notwendig war. Unser Cheforganisator ist mittlerweile so stark eingespannt, dass er in seinem normalen Job Stunden für die Arbeit im KohiI zurückschrauben musste – das geht dauerhaft nicht! Deswegen wagen wir den Schritt, nicht mehr 100 Prozent Ehrenamt zu haben, sondern die Arbeit für die zentralen Organisationsaufgaben zu bezahlen. Es wird auch etwas Geld ins prinzipielle Programm fließen, aber wir wollen bestimmt kein hochsubventionierter Betrieb werden. Das muss einfach im Verhältnis bleiben. Wenn das Geld immer schon da ist, schwindet irgendwann die Motivation.

INKA: Was motiviert einen denn überhaupt, wenn man schon über 1.000 Veranstaltungen gemacht hat?
Franz: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken! So viele interessante Bands, Musiker, Projekte. Wir machen ja auch immer wieder neue Sachen, zum Beispiel die Kindertheatergruppe, und auch unsere Kunst-Ausstellungen haben sich erst in den letzten zwei Jahren professioneller organisiert.

INKA: Wie weit ist eigentlich der Radius eures Einzugsgebiets?
Franz: Oh, der ist riesig! Ich würde sagen, im Schnitt haben wir mindestens 30 Prozent auswärtige Besucher. Zwei Drittel davon kommen aus dem erweiterten Umland – aus dem tiefsten Pfinztal, dem Schwarzwald, Bruchsal oder Rastatt. Das andere Drittel erstreckt sich bis Frankfurt im Norden und München im Süden. Freiburg und Stuttgart tauchen hier auch regelmäßig auf.

INKA: War es eigentlich je ein Thema, den Ort innerhalb der Stadt zu wechseln?
Franz: Wegen der zunehmenden Beliebtheit des Ladens wurde das schon diskutiert. Wir haben doch einige Veranstaltungen, bei denen wir Leute wieder heimschicken müssen. Aber letzten Endes lebt das Kohi genau von der Location. Zum einen sind wir hier einfach am Werderplatz und haben, denke ich, auch mit dazu beigetragen, dass das Angebot hier attraktiver wurde. Und der kleine Raum macht doch viel aus – man kann auch kleinere Veranstaltungen machen, bei denen es nicht völlig leer aussieht, wenn nur 20 Leute da sind. Und wenn sich bei einer angesagten Band 150 Leute reinquetschen, ist das eine ganz besondere Stimmung! Das Feedback kriegen wir auch von den Bands.

INKA: Welche Pläne gibt es denn für die nähere Zukunft?
Franz: Nach unserem ersten Death-Metal-Konzert im Frühjahr dachten wir uns, etwas mehr in die Richtung wäre doch gut, um auch Metal-Bands aus der Region zu fördern. Das heißt aber nicht, dass wir zum Metal-Schuppen werden wollen. Mir war es immer total wichtig, dass wir keinen Stempel aufgedrückt bekommen und einen gesunden Mix aus allem haben.

INKA: Wo sind denn gerade die größten Baustellen im Kohi?
Franz: Ein neues Mischpult haben wir jetzt, diese Baustelle ist erstmal weg. Aber unsere Klimaanlage war schon immer unterdimensioniert. Bei gut besuchten Veranstaltungen, von denen wir in letzter Zeit doch immer mehr haben, kommt, wenn man das schön sagen will, „wahre Clubatmosphäre“ auf. Wir hoffen, dass wir uns im Sommer eine etwas professionellere Lüftung gönnen können. Hier und da wird auch etwas Farbe gebraucht und der Boden soll ausgebessert werden, aber sonst drückt uns eigentlich nicht der Schuh. Wir sind glücklich, dass das alles immer noch funktioniert. Warum klagen? Wir gucken immer vorwärts!

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