Independent Days 15 Filmfest

Kino & Film // Artikel vom 14.04.2015

The Lower The Better?

Schaut man auf die jüngeren „Independent Days“ zurück, gibt es so manchen triftigen Beleg für diese Gleichung. Mörderpuppe Chucky und König Leonidas lassen sich beim Filmfest jedenfalls nur auf dem von Uli Pforr gestalteten Plakat blicken. Stattdessen spielt das Filmtheater Schauburg unabhängiges Arthaus- und Genre-Kino in Kurz- und Langform, mit dem der Leiter des Karlsruher Low- und No-Budget-Festivals, Oliver Langewitz, nebst ehrenamtlich arbeitendem Team einen ebenso unterhaltsamen wie hochklassigen Überblick zum internationalen Filmschaffen jenseits des Mainstreams bietet. Erste Appetizer liefert das „Filmfest Opening“ (Mi, 22.4., 17 Uhr); dann warten 16 Welt-, 13 Europa- und 32 Deutschlandpremieren sowie 23 Erstlingswerke in den 22 thematisch geordneten Filmblöcken auf Publikumssegen und Preisregen: Neben den beiden etablierten No- und Low-Budget-Auszeichnungen werden diesmal gleich vier neue Awards verliehen!

No-Budget-Wettbewerb
Mit nicht viel mehr als Luft und Liebe mussten die Macher der Beiträge im No-Budget-Wettbewerb leben: Auf sexueller Identitätsfindung sind die Protagonisten des Blocks „Coming Outs und so“ (Mi, 22.4., 21.15 Uhr); bei „Mind The Gap“ (Do, 23.4., 21.15 Uhr) werden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion überschritten; und die „Bösen Spiele“ (Fr, 24.4., 21.15 Uhr) sprühen vor Absurditäten und schwarzem Humor. Welchen Film das Publikum ab häufigsten angehakt hat, zeigt sich beim No-Budget-Finale (Sa, 25.4., 19 Uhr), dessen Sieger die „Goldene ID“, den mit 500 Euro dotierten „Filmpreis der Stadt Karlsruhe“, entgegennehmen darf.

Low-Budget-Wettbewerb
Gleichfalls in drei Blöcken laufen die Low-Budget-Starter um den mit 1.000 Euro dotierten „Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe“: Zwischen erstem Kuss und Rockstar-Vergötterung schwelgen die „Teenager Träume“ (Mi, 22.4., 19.15 Uhr); futuristisch geht es in „Cyborgs, Ufos, Traummaschinen“ (Do, 23.4., 19.15 Uhr) zu; den Tod und andere schlechte Aussichten macht „Very Bad Things“ (Fr, 24.4., 19.15 Uhr) zum Aufhänger. Die bestgevoteten Kurzfilmbeiträge ziehen ins Low-Budget-Finale (So, 13.4., 19 Uhr) ein. Die Zeit zur Stimmauszählung schafft Spielraum für „Void“, einen Kurzfilm, der von Schülern des Karlsruher Lessing-Gymnasiums unter Anleitung der Regisseurin und Schauspielerin Nadine Knobloch im Rahmen des vierten „Film- & Vision-Schul-Contests“ produziert wurde. Abgesehen von den beiden etablierten Publikumspreisen werden ab sofort drei weitere filmische Leistungen von einer Fachjury gewürdigt: „Asami“, „Chelovek-Dobro“, „Que la nuit soit douce“, „Rosso Papavero“ und „Zwei Zucker“ wetteifern um den „Newbie-Film-Award“ für das „Beste Erstlingswerk“; der „Female-Film-Award“ für die „Beste weibliche Regiearbeit“ geht an „95 Decibels“, „Der Antiquar am Hirschengraben“, „Dinokid“, „My Kingdom“ oder „Shimi“ und der „Indie-Film-Award“ für den „Besten Feature-Film“ prämiert einen unabhängigen Langfilm. And the nominees are: „Glance Up“, „Happiness Wrapped In A Blanket“ sowie „Auf direktem Umweg“ (Mi, 22.4., 23.30 Uhr), „It’s Me“ (Do, 23.4., 17 Uhr) und „Freddy Hotel“ (Sa, 25.4., 21.30 Uhr), die jeweils ihren eigenen Slot bekommen haben. Erstmals vorgestellt wird außerdem die Selektion des Wettbewerbs „Future Shapes: Karlsruhe 3.000“ (Sa, 25.4., 16.30 Uhr, www.facebook.com/future.shapes.3000), für den sich internationale Filmemacher anlässlich des 300. Karlsruher „Stadtgeburtstags“ mit der Frage beschäftigt haben, wie wohl die Zukunft aussieht; die besten drei werden geehrt.

Freies Filmprogramm
Weil Contest ohnehin schon mehr als nur das halbe Leben ist, laufen wie üblich zahlreiche Beiträge außer Konkurrenz. In den obligatorischen „Horror Stories“ (Fr, 24.4., 23.30 Uhr), unter denen sich auch die preisgekrönte Filmboard-Mystery „Jäger und Gejagte“ (jaegerundgejagte.jimdo.com) befindet, treiben Zombies, Psychopathen, Geister und Vampire ihr Unwesen. Brutal unernst legt der gleichfalls nicht jugendfreie Block „Trash We Can!“ (Sa, 25.4., 23.30 Uhr) mit Chlorhühnern, Anime-Philosophen und mordlüsternen Wald-Omas nach; dass Geschichten über die „Golden Ager“ (Sa, 25.4., 14.30 Uhr) nicht immer lustig sein können, liegt wiederum in der Natur der Sache. Äußerst gewitzt zeigen sich dagegen die „Young Filmmakers“ (Fr, 24.4., 15 Uhr), wenn tragikomische Sauerkraut-Dealer gängige Erzählweisen aufweichen. Menschen mit Behinderung sind die Stars von „Basketbälle, Schleierschwänze und Hörgeräte“ (So, 26.4., 14.30 Uhr), die Schlachtfelder von „Warfields“ (Fr, 24.4., 17 Uhr) kommen nicht immer als typische Kriegsschauplätze daher und die Storys von „Bad World“ (Do, 23.4., 15 Uhr) siedeln sich in Israel und Serbien an. Für die Programmverantwortlichen ebenso gesetzt: „Liebe, Sex und andere Laster“ (Do, 23.4., 23.30 Uhr) sowie „Die große Trickfilmshow“ (So, 26.4., 16.30 Uhr).

ID-Filmparty
Im Anschluss ans No-Budget-Finale haben bei der „ID-Filmparty“ (Sa, 25.4., 22 Uhr, Die Stadtmitte) alle etwas zu feiern: Filmcrews und Filmfest-Gänger tanzen gemeinsam auf zwei Floors bei „Saturday Night Clubbing“ (Mixed Music) und „Smash Mellowz“ (House/Electro). Mit einem ID-Ticket ist der Eintritt wie schon am Freitagabend frei. Wer nichts auslassen will, legt sich den Festivalpass (50 Euro; ab 22.4. 55 Euro) zu; weniger exzessive Zuschauer greifen zur Fünfer-Karte à 25 Euro, der Einzelblock kostet 7,50 Euro. -pat

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