Die Berliner Galeristin Anna Jill Lüpertz im INKA-Interview

Kunst & Design // Artikel vom 10.02.2016

Es ist nicht ganz einfach, mit Anna Jill Lüpertz einen Telefontermin zu bekommen.

Die Berliner Galeristin, dieses Jahr frisch im Beirat der „art Karlsruhe“, bewegt sich auf dem Parkett der Jungen Kunst, was auch mal Modedesign beinhalten kann. Und da steht dann, wenn mit Michael Michalsky einer der einflussreichen deutschen Designer präsentiert wird, das Telefon der Galerie schon im Vorfeld nicht still. Nach einigen Anläufen gelang es unserer Kunstredakteurin Dr. Chris Gerbing dennoch, Anna Jill Lüpertz zu sprechen, die voll des Lobes für die Karlsruher Messe, die Tageslichthallen und Ewald Karl Schrade ist, aber auch einige Aspekte kritisch anmerkt.

INKA: Seit wann sind Sie denn im Beirat der „art Karlsruhe“ und was ist Ihr persönliches Anliegen, in diesem Gremium mitzuwirken?
Anna Jill Lüpertz: Im letzten Jahr war ich mit meiner Galerie das erste Mal auf der „art Karlsruhe“. Die Messe ist toll, die Hallen sind wunderbar, ich liebe das Tageslicht – aber im Bereich Junge Kunst gab es nur ganz wenig, was aus meiner Sicht ernst zu nehmen war. Deshalb habe ich mich furchtbar aufgeregt – ständig und laut. Irgendwann kam Herr Schrade auf mich zu und meinte, es sei vielleicht eine gute Idee, wenn ich so viel dazu zu sagen hätte, meinen Unmut ins Konstruktive zu wenden. So kam ich in den Beirat.

INKA: Was waren Ihre Gründe, in Karlsruhe auszustellen? Die „art Karlsruhe“ ist ja nun eher in den Bereichen Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst stark, in der Jungen Kunst…
Lüpertz: Ja, das stimmt. Die Junge Kunst muss sich hier noch etablieren, es ist aber großartig, dass sie das auch darf: Die dafür vorgesehene Halle gibt es bereits seit vier Jahren und 2016 soll sie natürlich neu und noch toller werden. Ich denke, es ist ein guter und vernünftiger Ansatz, mit einer Messe nach vorn, in die Zukunft zu blicken. Die Junge Kunst soll auch als „Einstiegsdroge“ fungieren, um junge Sammler anzuziehen. Und letztlich muss es ein Anliegen der Messe sein, sich zu verjüngen, sonst sterben ihr irgendwann die Käufer aus. Deshalb ist die „art Karlsruhe“ auch für mich interessant. Sammeln ist in Berlin noch nicht in dem Maße etabliert, es gibt noch keine „Sammler-Mittelschicht“ wie in Karlsruhe, wo ja auch im ZKM ganz junge Ansätze verhandelt werden. Schade finde ich nur, dass die Messe und das ZKM eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Es wäre doch ganz großartig, wenn auf der „art Karlsruhe“ eine Sammlung präsentiert würde und einer der dort vertretenen Künstler gleichzeitig eine Einzelausstellung im ZKM hätte. Oder es gäbe auf der Messe und im ZKM eine Solo-Schau eines herausragenden Künstlers. Aus meiner Sicht ist das ZKM das einzige relevante Haus in Deutschland für mediale Kunst, hier werden Grenzen überschritten – das sollte die Messe viel mehr nutzen! Übrigens: Der Blick nach vorn, in die Zukunft, der interessiert nicht nur mich. Selbst die „TEFAF Maastricht“ hat sich trotz anderer Ausrichtung und Programm zwischenzeitlich der Zeitgenossenschaft geöffnet.

INKA: Sprechen wir noch einmal davon im Zusammenhang mit der „art Karlsruhe“. Wie muss ich mir denn die Arbeit des Beirats vorstellen?
Lüpertz: Wir werden im Vorfeld ständig über die eingehenden Bewerbungen auf dem Laufenden gehalten – und das sind richtig viele Galerien! –, bis wir uns dann für eineinhalb Tage zusammensetzen, alle Galerien besprechen, die die Zulassungskriterien erfüllen, und anschließend über deren Teilnahme entscheiden. Das ist ein wirklich schwieriger Prozess mit viel Dissens, denn die Halle muss ja schließlich so werden, dass wir uns alle dort wohlfühlen. Schließlich steht jedes der Beiratsmitglieder hinterher auch selbst als Galerist in dieser Halle. Der Dissens entsteht vor allem an der alles entscheidenden Frage nach der Qualität. Letztlich streiten wir darüber, was das ist, und das hängt nicht zuletzt vom Programm und den Künstlern ab, die die jeweiligen Galerien mitbringen. Insofern schließen wir auch ganz viele Kompromisse, denn es sind viel mehr Bewerber als zugelassen werden können.

INKA: Wie viel Mitsprache haben die Beiratsmitglieder denn beim Rahmenprogramm der Messe?
Lüpertz: Herr Schrade organisiert die Messe ja schon sehr lange, sehr selbstständig und sehr selbstbewusst – Vorschläge sind immer gern gesehen und werden offen diskutiert, an diesen Entscheidungen sind wir aber nicht beteiligt. Wie ich übrigens auch nur für „meine“ Halle und die Junge Kunst mitentscheide. Das macht in den anderen Bereichen für mich auch keinen Sinn. In diesem Zusammenhang sehe ich die Halle für Junge Kunst – deren besonderer Fokus aufs ganz Aktuelle mit der Umbenennung 2016 in „Contemporary Art 21“ noch mehr betont wird – als einen Versuchsballon an, der sich in den nächsten Jahren entweder auf demselben durchgängig hohen Niveau wie die anderen drei Hallen etablieren muss oder eben wieder abgestoßen wird. Letztlich ist es ein Erziehungsprogramm, das hier aufgesetzt wurde, mit dem die
Reaktionen des Publikums auf Junge Kunst ausgetestet werden.

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