20. Europäische Kulturtage

Stadtleben // Artikel vom 17.04.2010

Ein Herzstück der Kultur im Südwesten sind die „Europäischen Kulturtage Karlsruhe“ (EKT), die seit 1983 erst im jährlichen und nun im zweijährlichen Turnus von der Stadt und dem Badischen Staatstheater als großes, völkerverbindendes Festival organisiert werden.

Zum Brückenbauer sind die EKT tatsächlich geworden, haben mal ferne (Moskau), mal benachbarte (Rom) Kulturen thematisiert und waren nie ein Unterhaltungsdampfer für leicht konsumierbare Kost. Mit breit gefächerten Inhalten und stetig wachsendem Programm spüren die Organisatoren den kulturellen Wurzeln Europas nach. 2010 steht Ungarn im Mittelpunkt des dreiwöchigen Festivals.

Ohne Bitterkeit, eher mit Stolz erklärt OB Fenrich, dass Karlsruhe zwar nicht siegreich bei der gemeinsam mit der ungarischen Stadt Pécs abgegebenen Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt gewesen sei, aber durchaus erfolgreich. Pécs hat neben Essen und Istanbul den Zuschlag als europäische Kulturhauptstadt 2010 erhalten, der Fächerstadt sind immerhin die Kontakte nach Ungarn als positive Ergebnisse geblieben. Pécs, eine der ältesten Städte Ungarns, hat viele Denkmäler aus der Römerzeit, weshalb es vor zehn Jahren von der UNESCO auf die Weltkulturerbeliste gesetzt wurde.

Die Universitätsstadt liegt nahe der kroatischen Grenze, hat etwa 160.000 Einwohner und multikulturellen Charakter: Hier treffen westeuropäische, balkanische, deutsche und türkische Kultur aufeinander. Klischees wie Paprika, Pferde und Sissi wolle man nicht zeigen, erklärt Kulturamtsleiterin Susanne Asche. Man spiele zwar bewusst damit, auch auf dem Plakat prangen rote und grüne Paprika, doch die Schoten hängen an einem durchschnittenen Stacheldraht: Ungarn war oft ein Wegbereiter für Demokratie, ob 1956 mit dem Aufstand, ob 1989, als es den Eisernen Vorhang öffnete und DDR-Flüchtlinge passieren ließ.

Das Motto „Zwischen den Zeiten und Welten – Budapest + Pécs“ deutet also Politisches, Historisches und den Aufbruch an. „Wir mischen uns auch in politische Themen ein“, gibt sich die Kulturamtschefin kämpferisch. Rund 2.000 Mitwirkende aller Sparten sind an den 60 Veranstaltungen beteiligt, das Programmheft umfasst stolze 126 Seiten. Die Organisatoren reisten nach Ungarn und sahen sich um. Dem Sprechtheater halfen Berater bei der Auswahl der Stücke, die entweder übertitelt oder simultan gedolmetscht aufgeführt werden.

Knut Weber, Schauspielchef des Staatstheaters, besuchte viele der über 200 Theater in Budapest, immer mit Blick auf das Eigenständige, die Nischen, und erlebte großen Andrang. „Sogar Montagnachmittags sind die Theater im Außenbezirk von Budapest ausverkauft“, schwärmt Weber. In Ungarn erlebt die Kultur momentan allen finanziellen Krisen zum Trotz eine Blütezeit. Ob namhafte Musiker, der Literaturnobel­preis für Imre Kertész oder Erfolge beim zeitgenössischen Film: Ungarns aktuelle Kulturszene mischt in der internationalen Liga mit. -ub/er

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