Für Karlsruhe in den Bundestag 2021

Stadtleben // Artikel vom 26.09.2021

Am 26.9. wird der Bundestag neu gewählt.

Den Wahlkreis Karlsruhe-Stadt hat seit 2005 stets Ingo Wellenreuther von der CDU direkt gewonnen. In diesem Jahr sehen die Umfragen erstmals seit 1949 eine Kandidatin außerhalb von CDU oder SPD bei den Erststimmen vorne. Bereits in diesem Bundestag sind fünf Karlsruher Abgeordnete vertreten. Durch gute Landeslistenplätze könnte Karlsruhe auch bei dieser Wahl wieder stark in Berlin vertreten sein. Doch wer holt das Direktmandat? Florian Kaufmann fragte die DirektkandidatInnen der fünf im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien.

CDU

INKA: Was konnten Sie in der vergangenen Legislaturperiode für Karlsruhe erreichen und was soll in den nächsten vier Jahren folgen?
Ingo Wellenreuther: Einer Vielzahl von ratsuchenden BürgerInnen konnte ich weiterhelfen. Auch durch meinen Einsatz ist es gelungen, dass viele Fördermittel nach Karlsruhe geflossen sind. Es freut mich dabei besonders, dazu beigetragen zu haben, das Forum Recht nach Karlsruhe zu holen. Meine Arbeit möchte ich bürgernah und erfolgreich fortsetzen und Karlsruhe in Berlin weiterhin würdig vertreten.

INKA: Nach 19 Jahren im Bundestag müssen Sie diesmal den Umfragen zufolge auf ein hohes Erststimmenergebnis der Grünen in Baden-Württemberg hoffen, um über die Landesliste wieder in den Bundestag einzuziehen. Was würde Karlsruhe und Ihnen persönlich ohne Ihr Mandat fehlen?
Wellenreuther: Sicherlich hoffe ich nicht auf Wahlerfolge der Grünen in Baden-Württemberg, zumal die Landesliste bei der CDU wohl nicht zur Anwendung kommen wird. Mein klares Ziel ist, zum fünften Mal in Folge das Direktmandat in Karlsruhe zu gewinnen. Mit Erfahrung, Engagement und Bürgernähe will ich erneut die Wähler überzeugen.

Grüne

INKA: Was wollen Sie im Bundestag für Karlsruhe erreichen und welche Themen möchten Sie dort für die Stadt setzen?
Zoe Mayer: Nach sieben Jahren im Karlsruher Gemeinderat habe ich oft festgestellt, an welchen Stellen wir die Bundespolitik vor Ort brauchen. Mir ist es wichtig mich für eine gute finanzielle Ausstattung von Kommunen einzusetzen. Nur so können dringende Karlsruher Anliegen wie der Ausbau unserer Nahverkehrsinfrastruktur, eine hohe Qualität unserer Krankenhäuser oder eine konsequente kommunale Klimapolitik umgesetzt werden.

INKA: Den Umfragen zufolge könnten Sie erstmals ein Direktmandat für die Grünen in Karlsruhe erreichen. Was würde sich dadurch für die Stadt ändern?
Mayer: Ich will mich für die Stärkung unserer Region stark machen. Dabei hilft mir eine gute Vernetzung mit unserer Landespolitik und der Karlsruher Kommunalpolitik. Ich möchte Karlsruhe als nachhaltige und innovative Stadt vertreten und Ansprechperson für Karlsruher Belange sein.

SPD

INKA: Was wollen Sie im Bundestag für Karlsruhe erreichen und welche Themen möchten Sie dort für die Stadt setzen?
Parsa Marvi: Wir müssen unsere Stadt selbstbewusst für die Gestaltung großer Zukunftsaufgaben in Berlin positionieren. Wir haben Stärken in Forschung und IT und das könnte auch ein gutes Argument sein, um entsprechende Institutionen von bundesweiter oder europäischer Dimension in Karlsruhe anzusiedeln.

INKA: Sie treten zum dritten Mal in Folge als Bundestagsdirektkandidat an. Was macht Sie zuversichtlich, dieses Mal erfolgreich zu sein und was machen Sie besser als die anderen Kandidierenden?
Marvi: Ja, ich stehe diesmal auf Platz zwölf der SPD-Landesliste gesetzt. Aktuell umfasst unsere Landesgruppe 16 Mitglieder. Mein Ziel bleibt aber, das Direktmandat in Karlsruhe zu gewinnen. Ich will Ideen entwickeln, um die Stadt und den Standort Karlsruhe zu stärken und nicht als Einzelgänger, sondern im Team mit dem OB agieren, Karlsruher Interessen durchsetzen und das Bestmögliche für unsere Stadt erreichen.

Die Linke

INKA: Was konnten Sie in der vergangenen Legislaturperiode für Karlsruhe erreichen und was soll in den nächsten vier Jahren folgen?
Michel Brandt: Auch in Karlsruhe spielen unsere sozialen Themen eine große Rolle. Die Linke kämpft bundesweit und lokal gegen den Mietenwahnsinn, für bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich, gegen jede Form der Diskriminierung und für ein radikales Umdenken der Art des Wirtschaftens zugunsten des Klimas und der Beschäftigten. Dafür setze ich mich auch in Zukunft zusammen mit lokalen sozialen Bewegungen in meinem Wahlkreis ein.

INKA: Sie sind vom Schauspieler zum Politiker geworden. Hilft Ihnen diese Erfahrung in Ihrer neuen Rolle und fehlt der Linken nicht die große Bühne, um wahrnehmbarer zu werden?
Brandt: Schauspiel und Politik haben am Ende doch sehr wenig gemeinsam. Die große Bühne der Linken ist die Straße. Zusammen mit Die Linke kämpfe ich jeden Tag für die Themen der Zeit: soziale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit und Menschenrechte.

FDP

INKA: Was konnten Sie in der vergangenen Legislaturperiode für Karlsruhe erreichen und was soll in den nächsten vier Jahren folgen?
Michael Theurer: Das Wichtigste war sicherlich die Durchsetzung der Stiftung „Forum Recht“. Bereits der frühere FDP-Bundesjustiz- und Außenminister Klaus Kinkel hatte angeregt, mit einem solchen Forum in der Stadt des Rechts die Justiz zugänglicher und verständlicher zu machen. In der nächsten Legislatur will ich das Motto „Entlasten, Entfesseln, Investieren“ zur Geltung bringen.

INKA: Sie wohnen nicht in Karlsruhe. Ist das ein Nachteil gegenüber den anderen Kandidierenden oder hilft der Blick von außen sogar? Gibt es noch mehr, was Sie von den anderen BewerberInnen unterscheidet?
Theurer: Als Spitzenkandidat auf der Landesliste habe ich natürlich ganz Baden-Württemberg im Blick. Mein Alleinstellungsmerkmal: Ich kenne von der Kommune über das Land bis Europa alle politischen Ebenen aus eigener Erfahrung. Diesen Blick über den Tellerrand empfinde ich gerade beim Einsatz für konkrete Projekte vor Ort als großen Vorteil.

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